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Stadt Wernigerode


Ein kleiner Gruß aus der Kinderbibliothek!

Gruß aus der Kinderbibliothek
Gruß aus der Kinderbibliothek

Auch die Harzbücherei grüßt alle Leserinnen und Leser!

Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt
Wernigeröder Zeitung und Intelligenzblatt

Aus der „Schmunzelecke“ der Wernigeröder Zeitung vom 1. August 1936

Der Kampf mit dem Wolf

Es ist schon eine ganze Reihe von Jahren her, als der Mann mit der braunen Aktenmappe unter dem Arm regelmäßig oben in den kleinen Harzorten erschien, um den Harzbauern das Vieh zu versichern. Er hatte recht gut zu tun, denn auch die Harzer hatten eingesehen, daß es sich mit versicherten Kühen, Schweinen und Pferden im Stall sehr viel ruhiger schlafen ließ. Nur daß sie sich selbst versichern sollten, das ging ihnen nicht in die Köpfe. Und gerade im Abschluß recht vieler Lebensversicherungen lag der Ehrgeiz des Mannes mit der Mappe. Er versuchte wo er nur konnte die Vorteile dieser Versicherung in langen Reden auseinanderzusetzen. Jeden hielt er darum an, und wenn man den Erzählungen glauben darf, soll er selbst dem alten Kunz in St. Andreasberg einmal einen eindringlichen Vortrag gehalten und ihn zum Abschluß einer Lebensversicherung gedrängt haben, obwohl der damals schon weit über neunzig Jahre alt und daneben stocktaub war. 

So eindringlich verstand er zu reden, daß ihm nur mit dem größten Kraftaufwand zu widerstehen war und man ihn in manchen Dörfern seines Redeflusses wegen direkt fürchtete. Denn für die Oberharzer galt von jeher der Spruch: sie sind wohl für lange Bratwürste, aber für kurze Reden. Außerdem schnitt er auf, und war bei seinen Aufschneidereien nicht gerade schüchtern. Die unwahrscheinlichsten Dinge wollte er immer erlebt haben. Er log, daß sich sicher die Balken gebogen hätten, wenn das Harzer Bauholz nicht so solide wäre.

Einmal hatte er wieder in einem Gasthaus, in dem kleinen Dorfe Trautenstein war es, versucht, ein paar Harzer zum Unterschreiben einer Lebensversicherung zu überreden. Von fünfzig Versicherungen hatte er gefaselt, die er am Tage vorher allein im benachbarten Hasselfelde abgeschlossen haben wollte. Als sich seine Tischgenossen aber trotzdem nicht überreden ließen, es wie die Hasselfelder zutun, erzählte er, um sie weiter für seine Absicht mürbe zu machen und ihnen außerdem die Gefährlichkeit des Lebens im Harz recht deutlich zu zeigen, ein Erlebnis, das er die Nacht auf dem Wege nach Trautenstein gehabt haben wollte. Er sei durch den Wald gegangen, berichtete er, und plötzlich sei aus einer Fichtenschonung ein riesiger Wolf herausgetreten und habe sich ihm in den Weg gestellt. Daß der letzte Wolf im Harz schon geschossen war, als man den Namen Napoleon noch nicht in der Weltgeschichte kannte, störte ihn nicht weiter.

Stumm ließen die Männer am Tisch den Anfang dieser Geschichte über sich ergehen, doch als er sein Messer zog, um den Kampf mit dem Riesenwolf auch bildlich darzustellen, erhob sich einer seiner Zuhörer, schnaufte einmal tüchtig und sagte dann mit einem Blick auf die Wanduhr:

„Eck mot nu na Huse gahn. Vertelle meck man bloß noch schwinne, ob dä Wulf glicklich utricken konne, bevor hei seck sin Läben bi deck hat versichern mötten.“

Vom Abschuss des letzten Wolfes im Harz berichtete das Wernigerödische Intelligenz-Blatt am 2. April 1798:

Gemeinnützige Mittheilung Intelligenzblatt Teil 1
Gemeinnützige Mittheilung Intelligenzblatt Teil 1
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Gemeinnützige Mittheilung Intelligenzblatt Teil 2

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