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19.05.2020

Es grüne die Tanne? … ein Waldgespräche in Schierke

Am 15. Mai 2020 hatte Wernigerodes Stadtförster Michael Selmikat zum Wald-Gespräch nach Schierke geladen. Bei dem Termin ging es um aktuelle Fragen zum Wald.

PEFC Bank im Stadtwald
W. Zagrodnik © Pressestelle
Testen die PEFC-Bank in Schierke: Jörn Frankenfeld, Sebastian Loose, Oberbürgermeister Peter Gaffert und Michael Selmikat
W. Zagrodnik © Pressestelle

Im Gespräch waren Oberbürgermeister Peter Gaffert, Sebastian Loose (Regionalassistent bei PEFC) sowie U&W Geschäftsführer Jörn Frankenfeld und Dirk Klaus, Mitglied des Schierker Ortschaftsrates.

Sobald man die Harzer Berge hinauf fährt wird klar, dass Corona nicht die einzige Krise ist, die das Land beschäftigt. Durch die Pandemie tritt ein anderer Krisenherd medial in den Hintergrund: Und zwar die katastrophale Situation der Harzer Wälder. Sie ist erkennbar an einem Flickenteppich aus abgestorbenen Fichten, die rot, braun oder grau leuchten. An riesigen Kahlflächen, die neue, teilweise befremdliche Ausblicke gewähren und an einer Unzahl ungewohnt großer Holzpolter, die mehrere Meter hoch und zum Teil dutzende Meter breit aufgestapelt sind. „Uns sind einige hundert Hektar Wald abhandengekommen“ bringt es Oberbürgermeister Peter Gaffert auf den Punkt. „Das ist für den Forst und die Menschen eine Katastrophe und hat weitreichende ökologische und wirtschaftliche Folgen.“ Stadtförster Michael Selmikat ergänzt: „Was nicht erkennbar ist, sind die Leistungen, die von diesen Waldflächen nicht mehr erbracht werden. Tote Waldbestände produzieren keinen Sauerstoff, filtern und kühlen nicht die Umgebungsluft, speichern keinen Kohlenstoff, bieten keine attraktiven Erholungsräume und produzieren keinen nachwachsenden Holzrohstoff. Bereits das dritte Jahr in Folge wirken sich Stürme, Dürren und Schadinsekten dramatisch auf unsere Waldbestände und auf die Waldböden aus.“

Obwohl es im Februar 2020 gegenüber dem langjährigen Durchschnitt doppelt so viel geregnet hat, ist das Niederschlagsdefizit noch lange nicht ausgeglichen und mit weiteren Waldverlusten zu rechnen. Der erste Schwarmflug des Buchdruckerborkenkäfers hat bereits im April stattgefunden. „Die Waldbesitzer und Förster leiden zusätzlich unter extremen wirtschaftlichen Zwängen. Der Holzmarkt ist durch ein dramatisches Überangebot zusammengebrochen, große Teile des Holzes sind zurzeit unverkäuflich. Die Verkaufspreise decken kaum noch die Schadholzaufarbeitung. Es besteht die Gefahr, dass keine Gelder für die Beseitigung weiterer Schäden sowie für die Wiederbewaldung und Waldpflege zur Verfügung stehen. Fördermittel fließen nicht schnell genug, andere nennenswerte Einnahmequellen gibt es keine“ führt Selmikat weiter aus. „Die nachhaltige, multifunktionale Forstwirtschaft ist auf fördernde politische Rahmenbedingungen verstärkt angewiesen. Die Entgeltung der Ökosystemleistungen, die die Wälder der Gesellschaft gegenüber erbringen, ist längst überfällig. Langfristig wäre sonst der vor dem Hintergrund des Klimawandels dringend notwendige, weitere Waldumbau gefährdet, kurzfristig wird das Totholz zunehmend zu einer Gefahr, da es unvermittelt zusammenbrechen oder – wie der Feuerwehrverband anmahnt – sich zu einem Waldbrand entzünden kann.“

Um die negativen Auswirkungen dieser Situation zumindest teilweise zu mindern, wurden im Stadtwald Wernigerode in den vergangenen Monaten verstärkt Anstrengungen unternommen. Bis zu vier Harvester waren gleichzeitig im Einsatz, um das trockene Holz zu bergen, diverse LKW-Kolonnen haben das noch sägefähige Rohholz in verschiedene Sägewerke gefahren, ein Trockenlagerplatz bei Quedlinburg wurde ebenso bedient wie die Nachfrage nach Brennholz. Zeitgleich wurden mehrere Kilometer Waldwege wieder ertüchtigt und Anpflanzungen vorgenommen. Junger Bergahorn, Lärchen und Erlen wurde gespendet und dankend angenommen und trotz abgesagter Pflanzaktionen pünktlich in den Boden gebracht. Eine der Firmen, die sich in den letzten Monaten aktiv an den Aktionen beteiligte, ist die Firma Umwelttechnik und Wasserbau GmbH aus Blankenburg. Jörn Frankenfeld, einer der Geschäftsführer erklärte, „dass die Firma sich auch zukünftig gern an Wald- und Aufforstaktionen beteiligen wird. Wir sehen jeden Tag, dass das Waldsterben keine Theorie ist, denn wir sind direkt vor Ort. Da wo wir arbeiten und leben, machen andere Leute Urlaub. Wir wollen mit unser Aktion was bewegen.“

Höhepunkt beim Wald-Gespräch war die Spendenübergabe einer überdimensional großen Sitzbank. Diese wurde durch die PEFC-Arbeitsgruppe Sachsen-Anhalt finanziert. Aufgestellt wurde die Sitzgelegenheit am Gelben Weg im Schierker Stadtwald durch den Schierker Dirk Klaus. „Mit dieser Bank wollen wir uns für das Engagement und den Einsatz der Stadt bedanken“ erläuterte Sebastian Loose, PEFC-Regionalassistent die Aktion. „Im vergangenen Jahr war Wernigerode Waldhauptstadt Deutschlands und hat diese Rolle sehr gut ausgefüllt. Zuvor wurde hier bereits der erste Erholungswald im Ostdeutschlands zertifiziert“. Gründe also genug für eine Erholungsbank, gefertigt aus dem Holz einer Schierker Weißtanne.