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27.01.2020

Bilder des Schreckens nie vergessen - Gedenkveranstaltung zum Holocaustgedenktag

Vor 75 Jahren, am 27. Januar 1945, befreiten sowjetische Truppen das Konzentrationslager Auschwitz. Ihnen bot sich ein Bild des Schreckens.

Gedenkveranstaltung in der Mahn- und Gedenkstätte Wernigerode.
© Matthias Bein
Gedenkveranstaltung in der Mahn- und Gedenkstätte Wernigerode. © Matthias Bein

Vor 75 Jahren, am 27. Januar 1945, befreiten sowjetische Truppen das Konzentrationslager Auschwitz. Ihnen bot sich ein Bild des Schreckens: Sie trafen auf ca. 7.000 Überlebende, die nur noch aus Haut und Knochen bestanden, auf Bergen von Leichen. Sie hörten von Gräueln, die jedes Begreifen überstiegen. Mehr als eine Million Menschen, überwiegend Juden aus ganz Europa, waren in Auschwitz und Birkenau von den Nazis bestialisch ermordet worden. Der Name dieses Lagers wurde zum Inbegriff für den nationalsozialistischen Massenmord und seine entmenschlichte Vernichtungsmaschinerie. Auschwitz wurde zum Synonym für den Holocaust.

Aus diesem Grund gedachten Vertreter der Stadt Wernigerode und des Landkreises Harz am 27. Januar den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Deutschland hat diesen Gedenktag 1995, vor 25 Jahren, eingeführt, und 2005 erklärten die Vereinten Nationen den Tag zum internationalen Holocaust-Gedenktag.

„Drangsaliert und umgebracht wurden vor allem Juden, aber auch Sinti und Roma, Behinderte und politische Gegner, Zeugen Jehovas und Homosexuelle, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Ihnen allen ist der heutige Gedenktag gewidmet. Der 27. Januar ist ein schwieriger Gedenktag. Auschwitz führt uns noch immer an die Grenze dessen, was man verstehen und ertragen kann. Auschwitz konfrontiert mit dem Bösen schlechthin. Aber auch die Mahn- und Gedenkstätte Wernigerode oder das Lager in Langenstein-Zwieberge sind Zeugen dieser Zeit – wenn auch steinerne.“ sagte Oberbürgermeister Peter Gaffert in seiner Ansprache.

Bereits kurz nach Beginn des 2. Weltkrieges wurde in Wernigerode ein Arbeitslager für ca. 300 Zwangsarbeiter errichtet. Später waren es über 800. Einige Einzelschicksale kann man in der jetzigen Dauerausstellung nachvollziehen. „Wir können hier nachlesen und förmlich nachspüren, wie grausam und unmenschlich die Nazi-Diktatur Ausbeutung ohne jede Rücksicht vorangetrieben hat. Auch in unserer Stadt.“ so Gaffert in Gedenken an die Opfer dieses dunkelsten Kapitel Wernigeröder Stadtgeschichte.

Er appellierte an die Verantwortung jedes Einzelnen, die grausigen Geschehnisse nicht zu vergessen: „Wir müssen die Wahrheiten über die NS-Zeit immer wieder verbreiten und jeder Geschichtsverdrehung entgegentreten. Deshalb müssen wir immer wieder fragen, wie es dazu kommen konnte und was wir daraus gelernt haben. Wir müssen alles dafür tun, dass Weltoffenheit, Toleranz und der Umgang mit dem vermeintlich Anderen bereits bei unseren Kindern und Jugendlichen zur DNA gehören.“ Denn trotz unserer Geschichte sind die Deutschen bis heute nicht immun gegen antisemitisches Denken und rechte Ideologie. Das zeigen der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Sommer 2019, der Anschlag auf die Synagoge in Halle im Herbst des letzten Jahres oder die Existenz des NSU und combat 18, einer verfassungswidrigen militanten Neonazi-Organisation. „Wir sind verpflichtet, dem ersten Artikel unseres Grundgesetzes immer und überall Geltung zu verschaffen. Sein Wortlaut – Die Würde des Menschen ist unantastbar. – entsprang unmittelbar den fürchterlichen Erfahrungen mit der NS-Diktatur, mit dem Bösen.“ so Gaffert weiter.


Bildunterschrift: Gedenkveranstaltung in der Mahn- und Gedenkstätte Wernigerode. Oberbürgermeister Peter Gaffert (vorn) und Stadtratspräsident Uwe-Friedrich Albrecht bei der Kranzniederlegung. © Matthias Bein