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06.02.2020

Kirchenfenster in der Schlosskirche leuchten bald im neuen Glanz

Das Schloss Wernigerode ist seit 1930 für die Öffentlichkeit zugänglich und ist eines der repräsentativsten und geschichtsträchtigsten Ensembles von Wernigerode und landesgeschichtlich prägend.

Schloßkirche auf Schloß Wernigerode
© Matthias Bein
Schloßkirche auf Schloß Wernigerode © Matthias Bein

Das Schloss Wernigerode ist seit 1930 für die Öffentlichkeit zugänglich und ist eines der repräsentativsten und geschichtsträchtigsten Ensembles von Wernigerode und landesgeschichtlich prägend. Als Kulturdenkmal in Sachen des Denkmalschutzes ist es kultur- und kunsthistorisch, wirtschaftlich, stadtgeschichtlich und städtebaulich in höchstem Sinne bedeutsam.

Das Gesamtensemble mit den Gebäuden, Außen- und Parkanlagen ist seit 1999 national wertvolles Kulturdenkmal und Bestandteil des sachsen-anhaltinischen Landesprojektes Gartenträume und stellt ein bedeutendes touristisches Ziel, nicht nur für die Stadt Wernigerode sondern für die gesamte Harzregion, dar.

Urkundlich belegt ist das Vorhandensein einer Kirche spätestens seit 1259. Der Standort der Kirche muss sich bereits an der Nord-Westecke des Schlossrings – dem heutigen Standort befunden haben. Die heutige Schlosskirche entstand unter dem Schlossbaumeister Carl Frühling zwischen 1870 und 1880 während des großen Schlossumbaus von 1863 bis 1885. Errichtet wurde sie unter Einbeziehung von Entwürfen des Wiener Stephansdombaumeisters und Architekten des Wiener Rathauses Friedrich von Schmidt. Hohe farbige Buntglasfenster zieren das Chorpolygon. Die Innenraumgestaltung ist durch einen Museumsbesuch erlebbar. Die Kirche wird aber auch häufig zu Konzerten oder für Hochzeiten genutzt.

Bedeutendste Kirchenfenstern Sachsen-Anhalts aus dem 19. Jahrhundert

Die Kirchenfenster in der Schlosskirche St. Pantaleon und Anna auf Schloss Wernigerode gehören zu den bedeutendsten noch erhaltenen Kirchenfenstern des 19. Jahrhunderts in Sachsen-Anhalt. Dies resultiert zum Einen daraus, dass sie noch in ihrer ursprünglichen Gestaltung und Einbaulage erhalten geblieben sind. Zum Zweiten sind sie in der höchst bedeutenden Glasmanufaktur Müller in Quedlinburg gefertigt worden, die im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Kirchenglaswerkstätten Deutschlands zählte. Zum Dritten sind sie ikonographisch von herausragenden Interesse. Die Kirchenfenster bilden inhaltlich die Parallelität zwischen Altem und Neuem Testament ab. Der Erzählreigen beginnt unten mit den Darstellungen der alttestamentarischen Propheten und der Präfiguration des Lebens Christi; oben sind dann die wesentlichen Heilstationen des Neuen Testaments im Leben Jesu Christi dargestellt.

Künstlerisch sind die Fenster von Carl Christian Andreae entworfen worden. Er gehört zu den wichtigen Künstlern der spätromantischen Schule in Deutschland und Österreich. Aus Dresden gebürtig, sind die Hauptwerke von ihm während seiner Wiener Periode entstanden. Das wichtigste dabei ist die Ausmalung des Domes in Pecs/Ungarn (früher Fünfkirchen). Später zog er sich ins Rheinland nach Sinzig zurück und hinterließ dort einen künstlerischen Nachlass.

Die Fenster weisen über den bloßen Historismus hinaus und sind sowohl farblich als auch in der Flächenbehandlung eindeutig von der Morris-Werkstatt in Großbritannien beeinflusst. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften hat bei ihrer Inventarisierung der Kirchenfenster in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die einmalige Bedeutsamkeit der Fenster festgestellt.

Sanierung der Kirchenfenster

Die Zeit zwischen der Eröffnung 1880 und heute ist nicht spurlos an den denkmalgeschützten Fenstern vorbeigegangen. Bei ungünstigen Witterungsverhältnissen drücken Wind und Regen durch die Scheiben, die Verbleiung ist locker. Bei Sturm wurden bereits Einzelscheiben herausgedrückt und mussten mit Ersatzglas notdürftig repariert werden.

Um nicht noch mehr von den Einzelscheiben der Originalverglasung zu verlieren, ist eine komplette Sanierung der Kirchenfenster mit einer zusätzlichen Schutzverglasung aus Verbundsicherheitsglas nach dem Originalbleiriss geplant.

Die Fenster sollen in einer Fachwerkstatt restauriert werden. Dazu ist es notwendig, sie komplett auszubauen, die Öffnungen zu verschließen und nach der Sanierung wieder fachgerecht einzubauen.

In der Werkstatt erfolgt die Restaurierung der Originalfelder, wobei zerstörte Scheiben nach Originalbefund ergänzt werden. Eine neue Verbleiung wird hergestellt und das Fenster mit Kupfer- U- Profilen gerahmt. Die Herstellung und Montage einer zusätzlichen Verglasung aus Verbundsicherheitsglas, hergestellt nach dem Originalbleiriss, soll die wertvollen Kirchenfenster über die kommenden Jahrzehnte vor Witterungseinflüssen schützen.

Für die De- und die Montage der Fenster ist eine Einrüstung des Chorraumes und der angrenzenden Wandflächen erforderlich. Dabei ist ein aufwändiger Schutz des Fußbodens und besonders des üppig gestalteten, neogotischen Kalksteinaltares notwendig, um Beschädigungen und Abbrüche an den Plastiken zu vermeiden. Ein Außengerüst in U- Form, aufgestellt an der Fassade, dient der Arbeitssicherheit und ist den Vorschriften nach entsprechen zu errichten.

Die geschätzte Gesamtausgaben liegen bei 250.000 €. Die Gesamtsumme setzt sich aus Mitteln der Ostdeutsche Sparkassenstiftung bzw. der Harzsparkasse, aus Bundes- und Landesmittel sowie Eigenmittel der Stiftung zusammen.