Herr Radünzel erläutert, dass die Präsentation zur Veränderung in der Kita-Landschaft bereits im Sozialausschuss vorgestellt wurde. Aufgrund der Diskussionen über den hohen Krankenstand im Bereich des Sozial- und Erziehungsdienstes sei beschlossen worden, das Thema auch im Hauptausschuss zu behandeln. Er führt aus, dass die Analyse auf Daten mehrerer Krankenkassen basiere, die für das Jahr 2025 bislang nur Zahlen des ersten Halbjahres vorlegen könnten. Diese zeigten jedoch bereits, dass die Krankentage in diesem Bereich überdurchschnittlich hoch seien. Dies sei nicht nur in Wernigerode, sondern im gesamten Land Sachsen-Anhalt der Fall. Im Vergleich zu anderen Arbeitnehmergruppen liege die Zahl der Krankentage bei Erzieherinnen und Erziehern konstant über dem Durchschnitt. Herr Radünzel weist darauf hin, dass die internen Statistiken der Stadt Wernigerode auch Karenztage umfassen, die in den Krankenkassendaten nicht berücksichtigt würden, was die Abweichung der Zahlen erkläre.
Er führt weiter aus, dass die Krankheitsbilder im Sozial- und Erziehungsdienst vor allem durch Atemwegsinfektionen, psychische Belastungen und Muskel-Skeletterkrankungen geprägt seien. Die hohe Anfälligkeit für Atemwegsinfektionen sei auf die enge Interaktion mit Kindern zurückzuführen, die einen intensiven Austausch von Bakterien und Viren begünstige. Psychische Belastungen entstünden durch die tägliche Verantwortung und den Lärmpegel in den Einrichtungen, während Muskel-Skeletterkrankungen durch das Heben von Kindern verursacht würden. Herr Radünzel erläutert, dass diese Krankheitsbilder je nach Altersgruppe unterschiedlich stark ausgeprägt seien. Jüngere Beschäftigte seien häufiger von Atemwegserkrankungen betroffen, während psychische Belastungen vor allem in der mittleren Altersgruppe und Muskel-Skeletterkrankungen bei älteren Beschäftigten dominierten.
Er geht auf die Entwicklung der Fehlzeiten in Wernigerode ein und stellt fest, dass diese im Zeitverlauf relativ konstant geblieben seien, jedoch im Jahr 2025 leicht zugenommen hätten. Dies sei unter anderem auf eine intensive Grippewelle zurückzuführen. Im Vergleich zum Landesdurchschnitt liege Wernigerode im üblichen Rahmen, wobei Sachsen-Anhalt insgesamt höhere Krankheitszahlen aufweise als andere Bundesländer. Herr Radünzel betont, dass die Analyse einzelner Einrichtungen keine strukturellen Auffälligkeiten gezeigt habe. Hohe Fehlzeiten in einzelnen Kitas seien auf individuelle Krankheitsfälle zurückzuführen und nicht auf systematische Probleme.
Zur Personalsituation im Sozial- und Erziehungsdienst berichtet Herr Radünzel, dass im Jahr 2024 9 befristete und 12 unbefristete Einstellungen vorgenommen worden seien. Im Jahr 2025 sei eine Person aus der Ausbildung übernommen worden. Er hebt hervor, dass die Personalplanung durch vorzeitige Austritte, beispielsweise aufgrund von Altersteilzeit oder persönlichen Belastungen, erschwert werde. Im Jahr 2024/2025 hätten 45 Dienstkräfte die Stadtverwaltung verlassen, wobei keine dieser Personen die Regelaltersgrenze erreicht habe. Für die Jahre 2025/2026 und 2027/2028 seien keine weiteren Neueinstellungen geplant, obwohl ein Anstieg der Ruhestandszahlen erwartet werde.
Herr Radünzel erläutert die Maßnahmen des Gesundheitsmanagements, die darauf abzielen, den hohen Krankenzahlen entgegenzuwirken. Dazu gehörten Präventionskurse in Zusammenarbeit mit Krankenkassen, bauliche Maßnahmen wie Lärmschutz und Aufstiegshilfen sowie das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM). Letzteres werde allen Beschäftigten angeboten, die länger als sechs Wochen im Jahr krankheitsbedingt ausfielen. Ziel sei es, durch organisatorische oder arbeitsplatzbezogene Anpassungen eine bessere Rückkehr in den Arbeitsprozess zu ermöglichen. In Einzelfällen sei es jedoch auch zu krankheitsbedingten Kündigungen gekommen.
Herr Linde fragt nach den Gründen für steigende Krankentage trotz sinkender Kinderzahlen in den Einrichtungen und nach dem Rückgang der BEM-Verfahren.
Herr Radünzel erklärt, dass der Anstieg der Krankentage unter anderem auf den höheren Altersdurchschnitt des Personals zurückzuführen sei. Zudem hätten gesellschaftliche und psychische Belastungen durch globale Krisen einen Einfluss.
Frau Köhler ergänzt, dass die erhöhte Anzahl von Kinderkrankentagen und Langzeiterkrankungen ebenfalls zu den gestiegenen Zahlen beitrage.
Zum Rückgang der BEM-Verfahren führt Herr Radünzel aus, dass diese ein freiwilliges Angebot seien, dessen Annahme die Stadt nicht beeinflussen könne.
Herr Mehne erkundigt sich nach Vergleichszahlen aus anderen Gemeinden und äußert den Eindruck, dass eine bestimmte Kita in Wernigerode dauerhaft einen hohen Krankenstand aufweise.
Herr Radünzel erklärt, dass Vergleichszahlen aus anderen Kommunen noch nicht vorlägen, diese jedoch nachgereicht würden. Bezüglich der genannten Kita betont er, dass keine strukturellen Auffälligkeiten erkennbar seien.
Herr Dorff ergänzt, dass Wernigerode sich im Landesdurchschnitt bewege und Schwankungen zwischen den Kommunen üblich seien.
Herr Boks fragt nach Maßnahmen zur Unterstützung von Beschäftigten mit psychischen Belastungen.
Herr Radünzel erläutert, dass in der Stadt Wernigerode verpflichtend einmal jährlich Mitarbeitergespräche geführt würden, in denen auch auf individuelle Belastungen eingegangen werde. Führungskräfte würden zudem regelmäßig geschult, um sensibel auf solche Themen zu reagieren.
Herr Thurm berichtet von einer Werbeaktion der Lebenshilfe vor einer Kita in Wernigerode, die er als befremdlich empfinde.
Herr Dorff erklärt, dass dies mit dem Träger der freien Kita ausgewertet werde, und bezeichnet die Aktion als grenzwertig.