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Vorlage - AF-03-2019  

Betreff: Verkehrsführung in der Innenstadt von Wernigerode
Status:öffentlichVorlage-Art:Anfrage
Verfasser:Herr Winkelmann
Herr Winkelmann
Federführend:Ordnungswesen Bearbeiter/-in: Münzberg, Anja
Beratungsfolge:

ALLRIS® Office Integration 3.9.2
Beschlussvorschlag:

Antwort:  

 

Die Ausweisung der Breiten Straße zwischen Ringstraße/ Große Bergstraße und Große Schenkstraße/ Pfarrstraße als verkehrsberuhigter Bereich (Zeichen 325.1) widerspricht dem durch den Stadtrat beschlossenen Verkehrskonzept Innenstadt. Das Verkehrskonzept sieht unter verschiedenen gegebenen Nutzungen der unteren Breite Straße als Wohn- und Geschäftsbereich, als Erschließungsstraße für angrenzende Wohnquartiere, als Strecke für den öffentlichen Personennahverkehr und Hauptroute für den Radverkehr sowie als Hauptachse für zu Fuß Gehende zwischen Parkierungsanlage Anger/ Schloss und Rathaus-Marktplatz die verkehrsrechtliche Ausweisung eines verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs (Tempo 20-Zone) vor.

 

Mit den beiden bereits umgesetzten Bauabschnitten und dem dritten, in Umsetzung befindlichen Bauabschnitt entsteht dem Verkehrskonzept folgend und der derzeitigen Nutzung entsprechend die optische Anpassung der Straße an deren Nutzung. Flächen für den motorisierten Verkehr werden zu Gunsten deutlich vergrößerter Anlagen für die Fußgänger/ -innen und Radfahrer/ -innen umgestaltet. Verbunden mit der Aufwertung der Gehwege wird eine deutliche Erhöhung der Aufenthaltsqualität verfolgt. Durch die stark reduzierte Fahrgasse wird dem motorisierten Verkehr auch optisch wahrnehmbar eine geringere Bedeutung zugemessen, als dies bislang der Fall war. Für Fußgänger wird sich die Querungsqualität über die Straße auf Grund der geringeren Abstände zwischen den Nebenanlagen ebenfalls erhöhen.

 

Das Gutachten zum Verkehrskonzept Innenstadt hat als Voraussetzung für die Steigerung der Aufenthaltsqualität für Fußgänger sowie der Akzeptanz und Einhaltung der Geschwindigkeitsregelung die Anpassung der Gestaltung des Straßenraums gefordert. Diese Umgestaltung wird derzeit im 3. Bauabschnitt vollzogen. Der verkehrsberuhigte Geschäftsbereich (Tempo 20-Zone) stellt gemäß diesem Gutachten die den Nutzungsansprüchen zwischen den Verkehrsarten abgewogene Ausbau- und Verkehrsregelungsform dar. Punktuelle Ergänzungen der Beschilderung und Markierung, insbesondere in Bezug auf die Erkennbarkeit dieses besonderen Bereichs der Innenstadt aus Richtung Ringstraße und Große Bergstraße, sind trotz dessen möglich und ggf. auch erforderlich. Eine vollständige Abkehr von der Aussage des Gutachtens und die Schaffung einer weiteren Regelung neben der bestehenden Fußgängerzone und der Tempo-20 Zone wird nicht als sinnvoll erachtet und wird gestalterisch für die Verkehrsteilnehmer ebenfalls nicht nachvollziehbar sein.

 

Eine punktuell andere Regelung in Form eines für den Abschnitt der Breiten Straße zwischen Ringstraße/ Große Bergstraße und Große Schenkstraße/ Pfarrstraße halten wir auch im Hinblick auf eine kontinuierliche, an der Nutzung und Ausgestaltung der Straße ausgerichtete Verkehrsregelung und damit für deren Akzeptanz nicht für förderlich.

 

Im verkehrsberuhigten Bereich (Zeichen 325.1) sind alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt, die Straße in voller Breite zu nutzen. Insbesondere im Knotenpunkt Ringstraße/ Breite Straße/ Große Bergstraße halten wir eine klar definierte und abgegrenzte Führung von Fußgängern auf den dann deutlich breiteren Gehwegen und dem Radverkehr auf dem Radfahrschutzstreifen sowie dem motorisierten Verkehr auf einer deutlich schmaleren Fahrbahn für die sichere Form der Führung im Vergleich zum Mischverkehr eines verkehrsberuhigten Bereichs (Zeichen 325.1).

Eine Steigerung der Sicherheit durch Ausweisung eines verkehrsberuhigten Bereichs (Zeichen 325.1) wird von Seiten der Verwaltung nicht erkannt; dies hat auch die Erprobung dessen während der Zeit des Weihnachtsmarktes in diesem Bereich gezeigt.

 

Die Möglichkeit, die Große Bergstraße im Abschnitt zwischen Breite Straße und Steingrube in beide Richtungen befahren zu können, dient dem Quell- und Zielverkehr zur Erreichbarkeit der Innenstadt und soll den Bewohnern das Verlassen bzw. das Erreichen des Wohnquartiers erleichtern. Zur Zeit der Erstellung des Verkehrsgutachten 2013/ 2014 ist noch von einer Verkehrsbelastung von bis zu 3.500 Fahrzeugen/ Tag in der Breiten Straße ausgegangen wurden. Übermäßiger Durchgangsverkehr konnte dabei nicht festgestellt werden. Aktuelle Messungen während der baufreien Zeit im März 2019 zeigen maximale Verkehrsstärken von 2.200 Fahrzeugen/ Tag, wobei hier auch die Radfahrenden in Richtung Anger/ Schloss in der Zählung erfasst sind und es sich um eine Hauptroute des Radverkehrs handelt. Eine echte Spitzenstunde, also mit erhöhtem Verkehrsaufkommen, kann aus den Messungen nicht abgelesen werden. Vielmehr besteht zwischen 9 Uhr und 18 Uhr ein annähernd gleichmäßiges Verkehrsaufkommen. Davor und danach ist dieses deutlich verringert. Das untermauert die Feststellung des Verkehrsgutachtens, dass es sich nicht um Durchgangsverkehr, sondern um Ziel- und Quellverkehr (Bewohner) sowie Wirtschaftsverkehr (Gewerbe) handelt. Durchgangsverkehre, die sich zu den sonst üblichen Spitzenzeiten zwischen 6 Uhr und 8 Uhr sowie 15 Uhr und 17 Uhr darstellen, können aus den Zahlen nicht abgeleitet werden.

 

Eine Änderung dahingehend, nur noch Verkehre von der Ringstraße in die Große Bergstraße in Richtung Steingrube zuzulassen, ist mit einer weiträumigen, umwegigen Erschließung für die Bewohner und Gewerbetreibenden sowie die Besucher der Innenstadt verbunden. Derzeit können sich diese Verkehre auf mehrere Straßen verteilen und sorgen so für eine gleichmäßigere Verteilung auf verschiedene Bereiche. Das Schließen einer Straße und die dortige Verdrängung von Verkehren führen in anderen Straßen zwangsläufig zu entsprechender Erhöhung der Verkehrsstärke. Die Straßen Burgberg/ Lindenallee und der B244-Außenring um die Altstadt wären die einzigen verbleibenden Alternativen für die Erschließung. Das umliegende Quartier kann dann nur noch über die B244/ Albert-Bartels-Straße/ Ringstraße erreicht werden. Im Sinne einer möglichst Umweg armen, Ressourcen sparenden Erschließung und einer größtmöglichen Verteilung der Verkehre wird die Einbahnstraßenführung der Großen Bergstraße in Richtung Steingrube nicht als Gesamtlösung für die Verringerung von Verkehr in der Innenstadt/ Breite Straße angesehen. Flankierende Maßnahmen im Bereich des ruhenden Verkehrs können hier weiteraus mehr Entlastungen erwirken, beispielsweise durch die Reduzierung von kostenfreiem bzw. sehr kostengünstigem Parken (10 Cent/ 36 min sog. Brötchen parken). Auch das Marketing zum Umstieg vom Individualfahrzeug auf ÖPNV und alternative Verkehrsmittel wie das Rad oder den Weg zu Fuß in die Stadt und innerhalb der Stadt könnte deutliche Entlastungen beinhalten. Maßnahmen in Kooperation mit dem ansässigen Einzelhandel könnten dies ebenfalls unterstützen. Der Hinzugewinn von Parkraum in der Großen Bergstraße bemisst sich nach Abzug freizuhaltender Flächen gegenüber von Grundstückszufahrten mit 1 bis 2 Parkflächen in geringem Umfang. Flankierende Maßnahmen zur Senkung des Parkdrucks für die Bewohner der Innenstadt sind durch die Stadtverwaltung durch die nicht mehr erfolgte Erteilung von Ausnahmegenehmigungen zum Parken für Ferienwohnungen erfolgt. Wo sich Möglichkeiten bieten, wird Parkraum auch Bewohnern zur Nutzung zur Verfügung gestellt.

 

Das Verkehrskonzept Innenstadt, welches durch den Stadtrat mit Beschluss 019/2016 am 28.04.2016 beschlossen wurde, gilt weiterhin. Dieses Konzept bildet die Arbeitsgrundlage für die Verwaltung.

Eine Abkehr vom durch den Stadtrat beschlossenen Verkehrskonzept ist für das Ordnungsamt ohne entsprechenden Änderungsbeschluss nicht zulässig.

 

gez. Fischer

Dezernent Ordnungswesen, Recht und Stadtbetriebe      

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Vorschlag zur künftigen Verkehrsführung in der unteren Breiten Straße

 

Nach Beendigung des dritten Bauabschnitts der Straßenausbaumaßnahme in der unteren Breiten Straße, voraussichtlich im November 2019, wird diese dann umgehend ab Höhe AWG weiterführend in Richtung Einmündung Große Schenkstraße dauerhaft in eine verkehrsberuhigte Zone (Zeichen 325.1) umgewidmet und zwischen den Einmündungen Große Schenkstraße und Pfarrstraße aufgehoben (Zeichen 325.2) und als eine 20 km/h Zone (Zeichen 274.1-20) bis zum Rimker Tor weitergeführt und dort dann aufgehoben.

 

Außerdem wird die Große Bergstraße in Fahrtrichtung von der Breiten Straße in Richtung Steingrube als Einbahnstraße mit rechtsseitig in Fahrtrichtung durchgängigen Anwohnerparkplätzen ausgewiesen.

 

Die Kleine Schenkstraße wird aus Richtung Große Bergstraße mit dem Verkehrszeichen "Durchfahrt verboten" (Zeichen 250) und dem Zusatz "außer Anlieger" beschildert.

 

Begründung:

Der fortschreitende Ausbau der unteren Breiten Straße zeigt immer deutlicher, dass die barrierefreie und fußgängerfreundliche Gestaltung von Wernigerödern und Touristen gleichermaßen sehr gut angenommen wird.

 

Durch den für 2019 vorgesehenen 3. Bauabschnitt werden im Bereich der engsten Stelle der Breiten Straße (zwischen Höhe „Tetzner“ und „AWG“) die Gehwege für Fußgänger auf ein maximales Maß verbreitert und die Fahrbahn für Fahrzeuge auf ein Minimum beschränkt, um dem Charakter der Haupteinkaufszone zwischen Stadtecke und Marktplatz (siehe hierzu auch Aussagen im aktuellen Einzelhandelsgutachten der Stadt Wernigerode) gerecht zu werden.

 

Mit dem o.g. Vorschlag wird die Stadt allen Interessen gerecht und die so oft geforderte ständige Erreichbarkeit der betroffenen Stadtviertel mit Fahrzeugen (Anwohner, Belieferung usw.) ist somit gewährleistet. Gleichzeitig wird der Durchgangsverkehr in dem Bereich Burgstraße, Vorwerk, Große Bergstraße und Breite Straße abgeschwächt und somit die Lebensqualität für das innerstädtische Wohnen, für den innerstädtischen Handel und den Tourismus erheblich gesteigert.

 

Der Übergang von der Fußgängerzone in den mit Fahrzeugen befahrenen Bereich von und in Richtung Stadtecke (Höhe „AWG“) wird durch diese Reglung für alle Verkehrsteilnehmer wesentlich sanfter und vor allem sicherer.

 

In der Großen Bergstraße entstehen durch diese Einbahnstraßenregelung gleichzeitig 3 bis 4 dringend benötigte Anwohnerparkplätze mehr in der Innenstadt, da hierfür die komplette Länge des o.g. Straßenabschnitts optimal genutzt werden kann.

 

 

gez. Winkelmann

Stadtra

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27.09.2019