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Aktuelles im Harzmuseum

frühneolithischer Kumpf
frühneolithischer Kumpf

Zum neuen Jahr starten wir gleich mit einer "Neuheit" ...

Heute möchten wir Ihnen gern ein Objekt aus unserer archäologischen Sammlung zeigen, was für einen der bedeutendsten Schritte der Menschheitsgeschichte steht.

Dieses kleine Gefäß, Kumpf genannt, ist aus Ton und mit der Hand geformt, mit Linien und Stichen verziert und anschließend gebrannt worden. Der Kumpf hat eine bauchige Form, einen Rundboden und einen leicht ausbiegenden, abgerundeten Rand. Wir haben hier eines der ältesten keramischen Gefäße unserer Region. Aufgrund seiner Form und Zierelemente können wir den Kumpf in die sogenannte Linienbandkeramische Kultur datieren.
Hier haben wir einen Hinweis, dass in Minsleben um 5500 v. Chr. sich erste frühneolitische – sprich jungsteinzeitliche Gemeinschaften niederließen.

Was ist das Neolithikum?

Gemeint ist die Ausbreitung der bäuerlichen Lebensweise mit dem Anbau von Kulturpflanzen und der Haltung von Vieh. Es wird hier die Zeitepoche der Menschheitsgeschichte beschrieben, die den Übergang von der aneignenden zur produzierenden Wirtschaft markiert. Dieses einschneidende Ereignis zog sowohl in wirtschaftlicher, soziopolitischer und geistiger Hinsicht weitreichende Folgen nach sich. Wir reden von einem langfristigen Übergangsprozess von Sammler- und Jägergemeinschaften zu bäuerlichen Gesellschaften, vom Übergang der Mobilität hin zur permanenten Sesshaftigkeit.

Wo kommt das Neolithikum her und wann?

Nach derzeitigem Kenntnisstand begann das Neolithikum frühestens um 9.500 v. Chr. im Fruchtbaren Halbmond Vorderasiens. Hier fallen die Gegenden um das Zāgros- und Taurusgebirges auf. Die neue Lebensweise ermöglichte es den Bedarf einer stetig wachsenden Bevölkerungsgruppe zu decken. Siedlungen wuchsen, neue Lebensräume mussten erschlossen werden. Allmählich breiteten sich die ersten Bauern aus. Mit den Menschen sind auch die Innovationen dieser neuen Lebensweise in andere Gebiete getragen worden. Zwischen 5800 und 4000 v. Chr. sind auch in Mittel- und Nordeuropa erste bäuerliche Siedlungen nachweisbar. Da es in den neuen Siedlungslandschaften an zuchtbaren Wildpflanzen und Tierarten magelte, sind diese importiert worden. So kamen etwa die Wildformen von heute weltweit verbreiteten Nutzpflanzen wie Weizen und Gerste ursprünglich nur in Kleinasien und Syrien vor, weshalb sie nur dort domestiziert und von dort verbreitet wurden.

Was ist alles Neu?

• Ackerbau (Gerste, Emmer, Einkorn, Leinen, Hirse, Linse, Erbse, Lein)
• Tierhaltung
• befestigte Siedlungen
• Hausbau
• Anfertigung von Keramik
• geschliffene Steingeräte

Wie sieht es in Mitteldeutschland aus?

Die erste neolithische Kultur Mitteldeutschlands wird aufgrund der typischen Verzierungsmerkmale auf ihrer Keramik Linienbandkeramik (LBK) genannt. Ihren Ursprung nimmt die LBK in Transdanubien, den Gebieten rechts der Donau in Ungarn. Die LBK wird während ihrer Entstehung durch den Komplex der Starčevo-Körös- Criş-Kulturen beeinflusst, die sich um etwa 6000 v. Chr. in Ungarn, Serbien, Rumänien und Bosnien ausbreiten. Eine enge Beziehung der LBK zu der 500 Jahre älter datierbaren Karnovo-Kultur aus Bulgarien ist ebenso nachweisbar. Bei allen genannten Kulturen handelt es sich zwar um frühneolithische Kulturen, die sich die Innovationen des Neolithikums zu Eigen machten, doch unterscheiden sie sich schon früh in der Landwirtschaft, dem Hausbau und der Sozialstruktur. Hier haben wir einen Nachweis für die Anpassungsfähigkeit der ersten Bauern auf die neuen Umgebungen und Lebensbedingungen.
Die LBK breitete in Form von wandernden Bevölkerungsgruppen von SO nach NW aus. Mitteldeutschland ist von mehreren Einwanderungswellen erfasst und fast flächendeckend besiedelt. Wir haben bisher ca. 100 bekannte ältest Linienbandkeramische Siedlungsflächen. Hierbei handelt es sich also um Siedlungen, deren Inventar noch große Übereinstimmungen mit dem des Ursprungsgebietes aufweist.
Die frühen Bauern ließen sich in den dünnbesiedelten Gebieten der spätmesolithischen Gemeinschaften nieder – bevorzugt waren Gebiete mit fruchtbaren Lößböden. In der Forschung spricht man von sogenannten „Pioniersiedlungen“. Kontakte zwischen den Jägern und Sammeln mit den ersten Bauern sind nachgewiesen. Sie tauschten Wissen und Techniken aus. Die neue Wirtschaftsform überzeugte und die spätmesolithische Lebensweise verlor zunehmend an Bedeutung.

Der Mensch wurde dauerhaft sesshaft und wo könnte es schöner sein als bei uns ...

Besuchen Sie auch den AMO unserer Kollegen aus dem städtischen Archiv.

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