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Aktuelles im Harzmuseum

Liebe Museumsfreundinnen und –freunde!


Das Jahr 2020 war ein ganz besonderes. Es hat uns allen viel abverlangt, jedem in anderer Weise. Doch trotz der Corona-Pandemie sind wir im Harzmuseum keineswegs untätig gewesen: Wir waren Teil des kulturellen Lebens dieser Stadt. Wenn es möglich war, in gewohnt analoger Form mit Ausstellungen, Veranstaltungen für Kinder, Führungen und Fachvorträgen. In den Zeiten der Lockdowns haben wir uns auf die Arbeit im Hintergrund konzentriert und uns stärker der digitalen Vermittlung verschrieben. Unsere Museumspädagogin hat diese Phase genutzt und hauseigene Produkte entwickelt, die nun in unserem Museumsshop erhältlich sind (oder sein werden). Neue Formate wie die Videos zu Sonderausstellungen oder Beiträge wie #closedbutopen auf unserer Homepage sind entstanden. Blicken wir zurück auf ein Jahr voller Ungewissheiten und Überraschungen – manche davon trotz allem positiv!


Das Jahr 2020 begann mit den letzten Tagen der Sonderausstellung „350 Jahr Schierke – Vom Hüttenort zum Wanderparadies“. Anlass und Ausgangspunkt der Ausstellung war die Gründung einer Eisenhütte durch Graf Heinrich Ernst zu Stolberg im Jahr 1669. Inhaltlich erarbeitet wurde die Sonderausstellung von dem Regionalhistoriker Dr. Uwe Lagatz. Dank dieser Zusammenarbeit entstand eine Ausstellung, die in vier Kapiteln die Geschichte Schierkes von den Anfängen im 17. Jahrhundert bis zu den Großprojekten der Gegenwart zeigt.


Voller Vorfreunde blickten wir kurz nach dem Ausstellungsabbau auf die nächste Sonderausstellung. Es ging um ein Thema, das die Öffentlichkeit seit einigen Jahren intensiv bewegt: Den Klimawandel. Am 4. Februar eröffnete Oberbürgermeister Peter Gaffert die interaktive Sonderausstellung „Klimagourmet“. Auftakt war der Festvortrag von Dr. Friedhart Knolle, Pressesprecher des Nationalparks Harz. Er sprach über den Klimawandel im Kontext unserer Region. Im Vordergrund der Wanderausstellung steht der Zusammenhang zwischen der Produktion verschiedener Lebensmittel und dem Treibhauseffekt.


In den folgenden Tagen und Wochen wurde eines deutlich: Das neue Virus würde sich zusehends auch in Europa und weltweit ausbreiten. Mitte März standen wir vor gänzlich neuen Herausforderungen: Covid-19, Pandemie, Lockdown. Unser Museum war geschlossen, von langer Hand geplante Veranstaltungen wie der Museumsfrühling oder auch die Ausstellungseröffnungen wurden abgesagt, einige Mitarbeiterinnen arbeiteten im Homeoffice, einige fielen wegen der Kinderbetreuung aus, andere arbeiteten hier vor Ort. Wir alle mussten neue Begriffe lernen, und die AHA-Regeln wurden zur täglichen Praxis.



Auch wenn es in den Ausstellungsräumen ungewohnt ruhig war, herrschte in den Magazinen und der „Museumswerkstatt“ reges Treiben. Wir haben Sie, unsere Gäste und Besucher, schmerzlich vermisst, doch die Zeit blieb nicht ungenutzt. Hinter den Kulissen wurde sortiert, katalogisiert und digitalisiert. Neue Produkte wie ein Malbuch oder ein Memoryspiel wurden entwickelt und zeigen einige besondere Objekte aus unserer Dauerausstellung.


Unter dem Hashtag #closedbutopen haben auch wir, wie bundesweit viele große und kleine Museen, ein Zeichen gesetzt. Die Kultur ist da, und sie ist wichtig! Wenn die Gäste nicht zu uns kommen können, dann kommen wir zu Ihnen nach Hause, etwa per Video. Entstanden sind mittlerweile vier Museums-Videos mit Einblicken in und Informationen zu unseren Sonderausstellungen. Zu sehen sind sie auf unserer Homepage, bei Facebook und Youtube.


Im Mai dann der Lichtblick: In Sachsen-Anhalt durften ab dem 04. Mai die Museen wieder öffnen, und unter Einhaltung strikter Hygiene-Auflagen konnten wir eine weitere Sonderausstellung zeigen. "Der Maler Albert Schöpwinkel - eine Hommage“ so der Titel. Damit würdigten wir einen der bedeutendsten Maler seiner Zeit in der Region. Schöpwinkel lebte von 1859 bis 1894 in Wernigerode und stand hauptberuflich in Diensten des Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode. Unserem Team gelang es in den Monaten zuvor zahlreiche Gemälde, Zeichnungen, Fotos und Handschriften zusammenzutragen. Ergänzt durch Familienfotos, ein Skizzenbuch sowie weitere Materialien und Quellen hatten wir – und vor allem Sie – die Gelegenheit den Künstler Albert Schöpwinkel mit einem Querschnitt seines künstlerischen Werks umfassend kennenzulernen. Eine große Zahl der Kunstwerke stammt aus Privatbesitz und war der Öffentlichkeit zuvor nie zugänglich gewesen. Mit Abstand wichtigster Leihgeber der Ausstellung war ein Urenkel Schöpwinkels, der in Wernigerode lebt. Ohne diese Leihgaben wäre die Ausstellung nicht möglich gewesen. Fachliche Unterstützung erhielt unser Team durch den Regionalhistoriker Dr. Steffen Wendlik.


2020 steht aber auch für ein besonderes „Wanderjahr“. Eine meist positive Folge des Lockdowns war die Wiederentdeckung der Natur. So hatte die „Harzer Wandernadel“ starken Zuwachs. Seit August ist auch unser Harzmuseum Teil dieses Wandernetzes mit dem Sonderstempel 9950.


Verliefen die Sommermonate weitestgehend normal, hat es uns im Spätherbst wieder hart getroffen: Erneuter Lockdown ab 1. November. Zwischenzeitlich haben wir eine weitere Sonderausstellung in unser Haus bekommen, doch diese wird wohl leider ganz exklusiv nur für Mitarbeiter bleiben. Mit dem Titel „Glanz und Wärme – Messinggeräte aus drei Jahrhunderten“ wollten wir gemeinsam mit unseren Gästen in eine gemütliche Vorweihnachtszeit starten. Kleiner Trost: Auch hier gibt es ein Video zur Einführung in diese Ausstellung.

Ein weiteres Produkt hielt Einzug in unseren Shop – wir hatten erstmals einen eigenen Adventskalender im Angebot. Dieser Kalender zeigte 25 Bildausschnitte von Gemälden des Malers Wilhelm Pramme. Alle Bilder befinden sich im Besitz unseres Hauses und werden im Schaudepot verwahrt. Der Adventskalender fand mit mehr als 500 Exemplaren tatsächlich sehr guten Absatz und soll nun in diesem Jahr mit neuen Motiven wieder aufgelegt werden.


Einen weiteren Höhepunkt zum Jahresende bildete die Installation unserer drei „Himmelsgucker“. Die Holzfiguren sind von der Künstlerin Sylvia Itzen innerhalb weniger Wochen im Herbst 2020 überwiegend mit der Kettensäge gestaltet worden. Der Wernigeröder Geschichts- und Heimatverein unter dem Vorsitz von Ludwig Hoffmann hat die Figuren finanziert und uns zur Verfügung gestellt. Seither sind die neuen Figuren ein echter „Hingucker“ und avancierten in den letzten Wochen zu einem beliebten Fotomotiv in der Wernigeröder Innenstadt. Noch mehr wird dies zweifellos der Fall sein, wenn wir wieder Touristen in dieser schönen Stadt empfangen.

Hinter den Kulissen haben wir weiterhin an neuen Ausstellungsprojekten für 2021 gearbeitet. Die archäologische Ausstellung „Begraben und Vergessen. Die Toten der Jungsteinzeit“ soll im Frühjahr eröffnen, und eine stadtgeschichtliche Ausstellung kündigt sich für den Herbst an. Anlass ist die Ersterwähnung Wernigerodes vor 900 Jahren. Darüber werden wir noch ausführlicher informieren.


2020 war ein Jahr, das uns einerseits bei vielen Initiativen ausgebremst hat, das andererseits aber auch neue Fragen aufgeworfen hat. Vielleicht hat es uns manchmal auch vermittelt, was wirklich wichtig ist. Und eines ist uns nie abhandengekommen: die Freude an unserer Arbeit, die Begeisterung für Kultur und Geschichte und die Dankbarkeit in dieser Region leben zu können.


Hoffen wir auf Entspannung im weitesten Sinne in diesem Jahr und auf ein baldiges analoges Wiedersehen im Harzmuseum!
Herzlichst, Ihr

Olaf Ahrens & Team