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Aktuelles im Harzmuseum

Herzlich Willkommen in unserer Rubrik „Objekt des Monats“, kurz OMO. Hiermit wollen wir Ihnen einen kleinen Einblick in den Bestand unseres Hauses ermöglichen, auf Neuerwerbungen, Besonderheiten oder unsere Liebhaberstücke hinweisen.

„Ich stehe gerade an einem Briefkasten. Hier geht die Post ab!“ In diesem Sinne möchten wir Ihnen heute wieder ein Objekt aus unserer Sammlung vorstellen, dass leider viel zu oft übersehen wird. Bei unserem OMO Oktober handelt es sich um einen preußischen Postbriefkasten aus Schierke.

Postbriefkasten
Postbriefkasten
Zum Objekt selbst:
Material: Gusseisen und Blech
Farbe: Brilliantblau
Verzierungen: goldene Zierelemente (Rosetten, Posthorn beidseitig unterhalb der Einwurfklappen; Hermeskopf als zentrale Figur); weißer Briefumschlag mit rotem Siegel
Maße: 500 x 680 x 400 mm
Gewicht: ca. 30 kg
Beschriftung: erhaben gegossen „POSTBRIEFKASTEN“
Handschriftliche Informationen: Leerungspostamt: Schierke
Zustellungspostamt: Brockenstraße 2
Zierelement "Hermes"
Zierelement "Hermes"

Angefertigt wurde unser Postbriefkasten von der Aktiengesellschaft Isselburger Hütte, die mit der Gründung der Reichspost nach der Reicheinigung von 1871 einen Großauftrag zur Fertigung solcher Briefkästen erhielt.

Die Anfänge des Postkastens gehen nach derzeitigem Forschungsstand in die Antike zurück. Das System Nachrichten und Informationen über Boten auszutauschen war längst bekannt. Um einen Boten jedoch nicht zu verpassen, sind an Sammelstellen Behältnisse aufgestellt worden, in denen die Nachrichten schon vor Eintreffen des Boten gelagert werden konnten. Auch in der Seefahrt bediente man sich einfachen, rudimentären Briefkästen. Die Briefe sind, versehen mit dem Namen des Schiffes, des Kapitäns und dem Datum der Landung, unter einen Stein gelegt worden. Die Seefahrer vertrauten auf die Hilfsbereitschaft ihrer Kollegen und hofften ihre Briefe würden im heimischen Hafen landen.

Der erste schriftlich dokumentierte Briefkasten befand sich 1633 am Haynischen Tor der niederschlesischen Stadt Liegnitz. Hier machte sich die Stadt einfach die anliegende Botendienstroute Breslau – Leipzig zu nutze. In einer Verordnung vom 16. März 1633 wurde die Anbringung dieses Postkastens angeordnet. Die Boten nahmen die Briefe ohne Lohn entgegen, womit eine Gebührenerhebung entfiel.Wenig später 1641 ließ in Hamburg die Stadtverwaltung im „Posthause“ 13 hölzerne Briefkästen aufstellen. Diese waren nach Bestimmungsort sortiert und damit die ersten „Richtungsbriefkästen“.

Doch der Durchbruch der Postbriefkästen ließ noch auf sich warten. In Frankreich hingegen erteilte Ludwig XIV. 1653 seinem Hofrat und Unternehmer Jean-Jacques Renouard de Villayer in Paris das Recht, eine Stadtpost zu etablieren. In Deutschland sind die Briefkästen erstmals großflächig im Französisch besetzten Rheinland errichtet worden. Bequemlichkeit siegte über politische Bedenken und so blieben die Briefkästen auch nach der Annektierung durch Preußen bestehen. 1824 sind diese in ganz Preußen übernommen worden. Auch das Königreiche Württemberg und Bayern zogen wenige Jahre später nach.

Heute findet man die – mittlerweile gelben – Postbriefkästen sprichwörtlich fast an jeder Ecke. So hat die Deutsche Post AG 2016 110.000 Stück bundesweit in Benutzung. Briefkästen anderer Postunternehmen findet man deutlich seltener. Ihre Zahl belief sich 2012 auf 6.000 Kästen.

Schauen Sie sich auch die Archivalie des Monats des Stadtarchivs an ...

Detailaufnahme
Detailaufnahme
Zierelement "goldenes Posthorn"
Zierelement "goldenes Posthorn"