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11.09.2019

Aktuelles im Harzmuseum

Herzlich Willkommen in unserer Rubrik „Objekt des Monats“, kurz OMO. Hiermit wollen wir Ihnen einen kleinen Einblick in den Bestand unseres Hauses ermöglichen, auf Neuerwerbungen, Besonderheiten oder unsere Liebhaberstücke hinweisen.

Sprichwörtlich widmen wir uns heute mit unserem Objekt des Monats September einem brandaktuellen Thema. Richten wir unseren Blick gen Amazonas - da sehen wir in diesen Tagen welch verheerende Wirkung das Feuer mit sich bringen kann. Diese Brände betreffen die Wälder in Brasilien, Bolivien, Kolumbien, Paraguay und Peru bis zu Grenzregion Argentiniens in Gran Chaco. Im August verbrannten innerhalb von fünf Tagen 471.000 Hektar Wald, Weiden und Felder (https://de.wikipedia.org/wiki/Waldbrände_im_Amazonas-Regenwald_2019). Eine Katastrophe, deren Folgen globalen Ausmaßes sind (Autorenkommentar: Hier ein Gruß an alle Klimawandelskeptiker – es wird heiß!)


Neben Wald – und Industriebränden sind es jedoch gerade die Stadtbrände, die eine unmittelbare Bedrohung für Leib und Leben der Bewohner darstellen. Enger Wohnraum, spezielle Bauweisen (Bsp.: Fachwerk) und unzureichende Sicherheitsmaßnahmen begünstigen das Übergreifen der Flammen und die Ausbreitung des Feuers, wie die großen Stadtbrände von Rom (64 n. Chr.), München (1327), London (1666), New York (1776) und auch Kobel/Japan (1995) zeigen.

Löscheimer aus Leinen
Löscheimer aus Leinen

Die Gefahr eines Stadtbrandes war seit dem ersten großen Brand von 1528 (470 der 554 Häuser, darunter auch die Rathäuser der Alt- und Neustadt sind zerstört worden) auch den Wernigerödern bekannt. Wohl welche Bedeutung der Faktor „Zeit“ für die Bekämpfung der Flammen hat. Mit der „Wernigerödische Feuerordnung zu jedermänniglichen Wissenschaft in Druck gegeben“ von 1726 haben der Bürgermeister und der Rat der Stadt Wernigerode erstmals verschiedene Vorschriften zur Brandvermeidung und Handlungsanweisungen im Fall eines Feuers veröffentlicht. Jeder Bürger hat ein Exemplar dieser Verordnung für den eigenen Haushalt erhalten. Darüber hinaus ist diese auch jährlich öffentlich vorgelesen worden.

Im Kampf gegen die Flammen musste jeder Bürger der Stadt noch bis zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr 1864 einen sogenannten Löscheimer in seinem Haushalt nachweisen und für dessen Instandhaltung Sorge tragen. Bei unserem OMO September handelt es sich um genauso einen – in der Fachsprache auch heute noch „Kleinlöschgerät“ genannt – Löscheimer. Es gab sie in verschiedenen Varianten. Entweder als platzsparender Falteimer oder aus verzinktem Stahl, Holz, Leder, Bast und Weidengeflecht. Unser Exemplar ist aus Leinen. Mit einer Höhe von 31,5 cm (ohne Henkel) und einem Durchmesser von 22,0 cm hat der Eimer ein Fassungsvermögen von knapp 12 l. Dank der Aufschrift G. Bartusch. Wernigerode. Nro. 18. kann er dem Bürger Gottlob Bartusch, wohnhaft in der Westernstraße 18 zugeordnet werden. In diesem Zusammenhang verweisen wir gern wieder auf die Archivalie des Monats des Stadtarchivs. Hier haben die Kollegen die Bürgerrechtsurkunde des Gottlob Bartusch transkribiert.

"Dem Feuer sind die Regeln zur Verhütung von Feuer egal" (Pavel Kosorin *1964, tschechischer Schriftsteller). Leider blieb Wernigerode nicht vor den Flammen verschont. Zwei weitere große Brände (1751 und 1847) legten große Teile der Stadt in Schutt und Asche.

Ernst Helbig, Öl auf Eisen und Kupfer, Darstellung der letzten beiden großen Brände von 1751 und 1847.
Ernst Helbig, Öl auf Eisen und Kupfer, Darstellung der letzten beiden großen Brände von 1751 und 1847.