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01.07.2019

Aktuelles im Harzmuseum

Detailaufnahme der Parierstange
Detailaufnahme der Parierstange

Herzlich Willkommen in unserer Rubrik „Objekt des Monats“, kurz OMO. Hiermit wollen wir Ihnen einen kleinen Einblick in den Bestand unseres Hauses ermöglichen, auf Neuerwerbungen, Besonderheiten oder unsere Liebhaberstücke hinweisen.


Heute haben wir wieder einmal eine kleine Besonderheit für Sie – dazu ein paar Hintergrundinformationen. In direkter Nachbarschaft unseres Museums finden Sie die Stadt-, Harz- und Kinderbibliothek sowie unser Stadtarchiv. Bearbeiten wir regionale, historische Themen ist natürlich ein Besuch im städtischen Archiv unerlässlich. So ergab sich in enger Zusammenarbeit dieses kleine Projekt, denn unser OMO des Monats Juli steht diesmal nicht für sich allein. Auf der Homepage des Stadtarchivs finden Sie die neue Kategorie AMO, die »Archivalie des Monats“.


Bei unserem Objekt handelt es sich um ein Richtschwert. Unser Exemplar stammt aus dem 18. Jahrhundert und war im Besitz des Stadtvogtes. Als Sinnbild der Gerechtigkeit oder Gerichtsbarkeit ist das Schwert vermutlich vom amtierenden Stadtvogt an seinen Nachfolger weitergegeben worden.
Der Stadtvogt ist ein vom Stadtherr, in unserem Fall Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode (1691-1771) und später sein Sohn Heinrich Ernst zu Stolberg-Wernigerode (1716-1778), eingesetzter Verwalter der Stadt, der im Sinne des Grafen regierte und richtete. Die Stadt Wernigerode verfügte zwar nur über die niedere Gerichtsbarkeit, doch als gräflicher Vertreter hatte der Vogt auch die hohe Gerichtsbarkeit, so auch die Kriminalgerichtsbarkeit, inne. Folglich wurden auch in Wernigerode Todesurteile ausgesprochen und vollstreckt.

Nach Sichtung einiger Archivalien aus dem 18. Jahrhundert lassen sich die Stadtvögte für dieses Jahrhundert mit ihren Amtszeiten wie folgt benennen:

  • Hornung (1695 – 1707)
  • Bode (1707 – 1745)
  • Bodin (1745 – 1769)
  • Siegmann (1769 – 1784)
  • Große (1784 – 1791)
  • Warnecke (1791 - 1803)


Im 18. Jahrhundert war die Enthauptung mit dem Schwert eine der gängigen Hinrichtungsmethoden. Diese Form der Schwerter unterscheidet sich erheblich von einem Schwert das im Kampf genutzt worden ist. So wird es beidhändig geführt und ist in der Form grober bzw. klobiger als ein Kampfschwert. Statt eines spitzen Ortes haben Richtschwerter abgerundete Enden der Schneide. Von der Funktion her handelt es sich auch mehr um eine Hieb- als eine Stichwaffe.

Zum Objekt selbst:

Detailaufnahme der Gravur
Detailaufnahme der Gravur

Das Wernigeröder Richtschwert hat eine flache, beidseitig geschärfte Klinge aus Stahl mit Hohlkehle und einem abgerundeten Ort. Häufig weisen diese Schwerter Zierelemente, wie Spruchgravuren oder Bilder auf. Unterhalb der Hohlkehle lässt sich auch an unserem Exemplar eine Gravur erkennen, deren Bedeutung bislang nicht vollends geklärt ist (Autorenkommentar: in unsere engere Auswahl kommen u.a. Galgen, Waage der Justicia oder Initialen des Schmiedes). Das Querstück zwischen dem Griff und der Klinge diente dem Schwertführer zum eigenen Schutz der Hand. Diese sogenannte Parierstange ist aus Messing, leicht aufgebogen und an beiden Enden verdickt. Ein Rillenband ziert das Stück. Das Gehilz besteht aus einem geschwellten Holzgriff. Der zylindersymmetrische Griff weist einen großen Querschnitt in der Mitte auf und nimmt zu den Enden hin ab. Als Endstück des Gehilzes ist ein facettierter Birnenknauf, ebenfalls aus Messing, angebracht. Das Schwert hat eine Gesamtlänge von 1,04 m, davon eine 81 cm lange Klinge.

So ist unser Richtschwert aufgebaut ...
So ist unser Richtschwert aufgebaut ...