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Aktuelles im Harzmuseum

Ein Rückblick auf die Zukunft mit dem Künstler Korvin Reich
Zur Kunstaktion „Zukunftswürfel“ vor dem Harzmuseum beim KulturKlint 2022

Der Wernigeröder Künstler Korvin Reich hatte sich vor dem Harzmuseum mit der Kunstaktion „Zukunftswürfel“ an der Zeitreise beim KulturKlint beteiligt. Es entstand eine dreidimensionale Collage aus Zeichnungen, Zeichen und Begriffen zum Thema Zukunft, die jetzt im Innenhof zwischen Museum und Stadtarchiv für die Öffentlichkeit sichtbar aufgestellt ist. Dabei ist Veränderung Teil des Projekts: Das Objekt ist ständigem Wandel durch Wind und Wetter ausgesetzt - bis hin zur Auflösung.

Etwa einen Monat später treffen wir uns noch einmal mit Korvin Reich (KR) zu einem einen kleinen Rückblick. Annette Grundmeier (AG) vom Harzmuseum fragt nach, wie er den KulturKlint erlebt hat.

AG: „Die Veranstaltung war ja sehr gut besucht und die Kunst-Aktion fand regen Zuspruch. Wie war die Motivation der Menschen, daran teilzunehmen?“
KR: „Es war großartig, weil bei dieser sehr geglückten Veranstaltung auf dem Klint mit dem Platz vor dem Harzmuseum ein Ort geschaffen wurde, an dem eine schöne und entspannte Atmosphäre entstehen und sich entfalten konnte. Da fühlten sich alle wohl, ließen sich gerne anregen, haben sich auf das Thema und den Austausch über Zukunft eingelassen und ihre Ideen fließen lassen. Dabei entstanden viele positive Gedanken, auch in dieser schwierigen Zeit. Und oft mit viel Humor.“

AG: „Waren viele Erklärungen und Anleitungen nötig?“
KR: „Ich musste nicht viel erklären. Das Konzept war ja sehr klar. Zum Würfel und zum Thema Zukunft fanden alle leicht einen Zugang. Es gab eine einfache Anleitung. Manchmal habe ich auch einfach angefangen, etwas zu zeichnen und dann den Würfel weitergegeben. Bei solch einer gemeinsamen Aktion wird eine ideelle Ebene berührt. Das ist das Wichtigste und auch das Besondere in der Kunst. Das teilt sich mit, wenn man sich darauf einlässt. Das war hier möglich.“

AG: Wenn so viele verschiedene Menschen an einer mehrteiligen Arbeit mitwirken, ist das ja für einen Künstler auch ein gewisses „gestalterisches Risiko“. Wie kann das zu einem Objekt werden?
KR: Mit den Papierwürfeln, die von Museumspädagogin Andrea Jäger großartig vorbereitet worden waren, und mit einer bewusst reduzierten Auswahl an Farbstiften lag ein Material vor, das sich zu einem homogenen Gesamtwerk fügte. Gleichzeitig trägt es die individuelle Handschrift der Mitwirkenden. Die Vielfalt ist gut erkennbar.“

AG: Also hat sich der Grundgedanke dieser Kunst-Aktion erfüllt: Dass sich auch das Ereignis Zukunft aus vielen individuellen Entwürfen entwickelt und das Unwägbare und die Interaktion dazugehören. Gab es besondere Themen oder Ereignisse?“
KR: „Es war toll, wie gut freie Assoziationen möglich waren. Vor allem Kinder waren schnell zu begeistern und waren sehr unvoreingenommen. Zum Beispiel hat ein Kind einen Dinosaurier gemalt. Da entstanden Gespräche, ob der denn nun zum Thema Zukunft passt. Dem Kind war das aber wichtig, dass da auch ein Dinosaurier dabei ist. Da kommt das Denken auf einmal aus den gewohnten Bahnen heraus. Die Erwachsenen ließen sich von dieser Unbefangenheit anstecken.“

AG: Vom Ansatz her war es ja eine Mitmach-Aktion nicht nur, aber auch für Erwachsene. Da liegt die Hemmschwelle für spontane Kreativität ja manchmal etwas höher. War das auch hier so?
KR: „Nein. Überhaupt nicht. Die Voraussetzungen waren ideal. Die meisten haben das Angebot sehr gerne angenommen. Manche haben erst gezögert - und sind dann lange dabeigeblieben.
Es war sehr schön zu beobachten, dass auch ganze Familien kamen. Manche haben einen gemeinsamen Würfel gestaltet, manche jeweils individuelle und sich dann darüber unterhalten. Dadurch hatte diese Kunst-Aktion einen wirklich verbindenden und generationenübergreifenden Effekt. Es war ein gemeinschaftlicher künstlerischer Schaffensprozess.“

AG: Wie geht es weiter? Dürfen wir uns nach dieser gelungenen Kooperation auf weitere Veranstaltungen im Harzmuseum mit dir freuen?
KR: „Ja, ich beginne am 11. November mit einem Zeichenkurs im Harzmuseum. Wir werden uns vor Ort den Objekten durch das Zeichnen annähern und dabei verschiedene zeichnerische Techniken anwenden. Das ist eine großartige Möglichkeit, auch neue oder bisher unentdeckte Seiten an diesen vielfältigen und interessanten Ausstellungsobjekten aufzuspüren.

AG: Das sind sehr erfreuliche Perspektiven und klingt nach einem spannenden Vorhaben. Vielen Dank für dein kreatives Wirken und für das interessante Gespräch!

Das Gespräch mit Korvin Reich führte Annette Grundmeier für das Harzmuseum am 11.10.2022


14.10.2022