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25.04.2019

Aktuelles im Harzmuseum

Sabine Breer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Provenienzforschung, Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V.
Sabine Breer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Provenienzforschung, Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V.

Das Harzmuseum Wernigerode nimmt am sogenannten „Erstcheck-Projekt“ teil. Ziel ist es, NS-Raubgut in den sachsen-anhaltinischen Museen ausfindig zu machen. NS-Raubgut oder genauer NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut bezeichnet die Dinge, die in der Zeit des Nationalsozialismus und in den Wirren der Nachkriegszeit Verfolgten wie Juden, Kommunisten und Sozialisten, Freimaurern und vielen anderen durch die NS-Behörden gestohlen wurden.
„Ich bin gespannt, ob ich hier wirklich Museumsobjekte finden kann, die man ihren Eigentümern damals unrechtmäßig entzogen hat“, sagt Sabine Breer und schaut in die Unterlagen des ehemaligen Wernigeröder Heimatmuseums, des Vorgängers des heutigen Harzmuseums. Aus dem Heimatmuseum sind schließlich große Teile der Sammlungen im 1965 gegründeten Harzmuseum gelandet, und die überlieferten Akten können der Schlüssel sein, wenn es um das Aufspüren von Raubgut geht.

An insgesamt 17 Häusern in Sachsen-Anhalt forscht die Historikerin nach NS-Raubgut. Das Harzmuseum ist bereits das 14. Museum im Projekt, das vom Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V., dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg und dem Land Sachsen-Anhalt initiiert und gefördert wird.

„Gerade weil für die Provenienzforschung im Museumsalltag nur wenig Zeit bleibt, sind wir froh, dass diese Arbeit von einer externen Wissenschaftlerin durchgeführt wird. Außerdem ist die Herkunftsforschung ein immer wichtigeres Feld und wir wollen einfach wissen, ob wir Dinge im Haus haben, die anderen geraubt wurden.“, fügt Museumsleiter Olaf Ahrens hinzu.

Nur etwa zwei Wochen arbeitete Sabine Breer für den Erstcheck vor Ort im Harzmuseum. Sie suchte in den überlieferten Unterlagen und an den Objekten selbst nach ersten Verdachtsmomenten. Das heißt, sie fahndete nach Indizien, die auf einen unrechtmäßigen Entzug während der NS-Zeit hinweisen. Dabei achtete die Forscherin darauf, ob die Gegenstände zum Beispiel über staatliche Behörden an das Museum kamen, aber auch, ob es Dinge gibt, die von der linken Arbeiterbewegung, von verbotenen Vereinen und anderen Verfolgten des NS-Staates, wie Freimaurern stammen. Im Mittelpunkt stehen aber die Objekte, die im Eigentum von Juden waren. Denn der NS-Staat verwertete alles, was ihm aus jüdischem Besitz in die Hände gelangte – vom wertvollen Kunstwerk bis hin zu den alltäglichsten Gegenständen wie Regenschirmen oder sogar Unterwäsche.


In Wernigerode sind die wichtigsten Quellen zum alten Heimatmuseum im Stadtarchiv zu finden. Korrespondenzen und Rechnungen sind hier erhalten. Sabine Breer berichtet von Ihrer Spurensuche: „Zunächst habe ich die Museumsakten durchgesehen. Dabei ist mir zuerst ein Schreiben aus dem Jahr 1933 aufgefallen, in dem der damalige Museumsleiter Walter Grosse dem Wernigeröder Schumacher Adolf Moses antwortet. Offenbar hatte Moses, der Jude war, eine Gesellenfahne der Schumacherinnung an das Museum gegeben. Diese Fahne konnten wir im Museumsbestand nicht mehr finden. Allerdings waren in den Akten auch Ankäufe während der NS-Zeit über Rechnungen belegt, zum Beispiel für Grafiken aus dem Berliner Kunsthandel, von denen auch einige noch im Museum vorhanden sein könnten. Diese müssen aber erst einmal identifiziert werden und überprüft, ob es auch wirklich die in den Rechnungen genannten Grafiken sind. Ein Ankauf über Antiquariate und Galerien ist tatsächlich ein erster Verdachtsmoment, da im damaligen Kunsthandel viele Objekte aus jüdischem Eigentum - unter Druck oder nach Entzug durch die NS-Behörden - verkauft wurden. Hier sollte also tatsächlich weiter geforscht werden.“

Sabine Breer trägt die gewonnenen Erkenntnisse nun für einen wissenschaftlichen Abschlussbericht zusammen, der als Grundlage für weitere Forschungen in der Zukunft verwendet werden kann.


Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Olaf Ahrens
Harzmuseum Wernigerode
Klint 10
38855 Wernigerode
Tel. 03943 / 654420
E-Mail: Olaf.Ahrens@wernigerode.de

Sabine Breer
- Wissenschaftliche Mitarbeiterin Provenienzforschung -
Museumsverband Sachsen-Anhalt e.V.
Käthe-Kollwitz-Str. 11
06406 Bernburg

Tel.: 0151 / 65477826
E-Mail: provenienzforschung_st@t-online.de