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15.07.2021

Das „Stille Wasser“ fließt wieder

Der Hasseröder Mühlgraben „Stilles Wasser“ ist ein künstliches Fließgewässer, das im 16. Jahrhundert zum Betrieb von Mühlen angelegt wurde.

Am Stillen Wasser
© Ariane Hofmann
Die Beteiligten im Gespräch am Stillen Wasser. V.l.n.r.: Daniel Dietrich (Stadt Wernigerode), Christopher Schlöcker (UHV), Konstantin Dittrich (UHV), Immo Kramer (Dezernent) und Ulrich Eichler (Gewässerpate am Stillen Wasser) © Ariane Hofmann

Der kleine Hasseröder Mühlgraben „Stilles Wasser“ führt endlich wieder Wasser. Nach dem schweren Wintereinbruch erfolgten im März erste Arbeiten durch den Unterhaltungsverband Ilse-Holtemme (UHV), mit Unterstützung der Stadt Wernigerode. Sickerstellen wurden mit Tondichtungen verschlossen, das Dichtungsmaterial wurde seinerzeit durch die Firma Umwelttechnik & Wasserbau kostenlos zur Verfügung gestellt. Für eine Aufräumaktion des Mühlengrabens hatten sich auch Mitglieder der Wasserwehr Wernigerode und des Wildfisch- und Gewässerschutzvereins bereit erklärt.

Die Arbeiten verwandelten sich bisweilen in eine Schlammschlacht, Frost- und Tauwetterperioden erschwerten die Arbeiten in der Gewässersohle erheblich. Diese musste auf etwa 200 Metern an zwei Bereichen ausgebaggert werden. Die anschließende, künstliche Abdichtungsbahn aus Geotextil wurde belassen. Zeitgleich wurden große Teile des begleitenden und sehr stark frequentierten Geh-/Radweges umfänglich saniert. Die Ausführung der Pflastersanierung erfolgte durch die CKS-Bau GmbH.

Die Arbeiten zogen sich teilweise bis in den April hinein, aber die Freude über das Aufdrehen der Wehrtafel an der Hochschule war nach der langen Trockenlegung des Stillen Wassers sehr groß. Sie währte jedoch nicht lang, als im Bereich der Malzmühle neue Undichtigkeiten zu Problemen in naheliegenden Kellern führten. Das Stille Wasser musste wieder trockengelegt werden. Erneut wurde das Gewässer auf 50 Metern in einem kaum erreichbaren Bereich abgedichtet. Die Zufahrt war nur über ein privates Grundstück an der Friedrichstraße möglich – der Dank gilt den Eigentümern.

Am 23. Juni 2021 wurde dann sehr vorsichtig das Wehr wieder geöffnet und behutsam eingestellt, sodass nicht zu große Wassermengen im Gewässer fließen. Die neuen Dichtungen müssen zunächst quellen und die übrigen Bereiche ebenfalls wieder gesättigt werden. Die Einstellung der Wehrtafel ist dabei, durch Regenfälle und schwankende Pegelstände der Holtemme, schwierig. Bis jetzt sind jedoch keine bekannten Probleme aufgetaucht.

Die Finanzierung der Maßnahme erfolgt durch die Stadt Wernigerode und den UHV, wobei letzterer die Arbeiten auch ausgeführt hat. „Das Ergebnis der Arbeiten zeigt auch die gute Zusammenarbeit der Stadt mit dem UHV. Anerkennung sollte dabei auf die Entwicklung der letzten Jahre gelegt werden, da durch das Zusammenwirken viele Gewässer in einem guten Ausbau- und Pflegestatus sind“, sagte Immo Kramer, Dezernent für Stadtentwicklung. Die Gewässerökologie und die Abflusssicherung werden im Rahmen der Gewässerunterhaltung gleichermaßen berücksichtigt. In Zukunft sind weitere Vorhaben, auch im Bereich Hochwasservorsorge, geplant.

Durch die weitere Umsetzung des Hochwasserschutzes an der Insel wird es später nochmals zu einer Unterbrechung des Stillen Wassers kommen müssen. Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft hat jedoch zugesichert, den Wasserzufluss am Wehr der Fachhochschule so lange wie möglich zu erhalten.

Hintergrund

Der Hasseröder Mühlgraben „Stilles Wasser“ ist ein künstliches Fließgewässer, das im 16. Jahrhundert zum Betrieb von Mühlen angelegt wurde. Er hat sich zu einem wertvollen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen entwickelt, insbesondere für den Feuersalamander. Das Stille Wasser wird an der Hochschule Harz von der Holtemme abgeschlagen und nach circa zwei Kilometern Fließstrecke dem Hauptgewässer wieder zugeführt.

Seit dem Hochwasser 2017 war der Graben nicht mehr mit Wasser beaufschlagt. Eine erneute Bespannung mit Wasser scheiterte zum einen an zwei undichten Stellen in der Gewässersohle. Diese verursachten ein versickern des Wassers, welches u.a. Schäden am Bahndamm der Harzer Schmalspurbahn verursachte. Zum anderen hat die Trockenheit der vergangenen Jahre und den damit verbundenen geringen Niederschlägen dazu geführt, dass nicht genügend Wasser in der Holtemme vorhanden war, damit das Wasser wieder durchweg fließen kann.

Problematisch ist die Trockenlegung des Stillen Wassers vor allem für die Feuersalamander, welche im zeitigen Frühjahr ihre Larven ablegen. Der Feuersalamander ist eine besonders geschützte Art, für welche die Stadt eine große Verantwortung trägt. Aufgrund der Biotopfunktion der Hasseröder Hanggräben, mit ihren intakten Feuersalamander-Populationen, sind diese besonders erhaltenswert. Damit die Population am Stillen Wasser erhalten bleiben kann, ist es dringend notwendig die Lebensbedingungen zu erhalten und zu fördern.

Foto oben: Arbeitsgespräch am Stillen Wasser: Daniel Dietrich vom Bauamt der Stadt Wernigerode, Christopher Schlöcker und Konstantin Dittrich vom Unterhaltungsverband, Stadtentwicklungsdezernent Immo Kramer und Gewässerpate Ulrich Eichler (von links). Foto: (c) Ariane Hofmann