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09.01.2019

Rede zum Neujahrsempfang 2019 von Oberbürgermeister Peter Gaffert 

Oberbürgermeister Peter Gaffert beim Neujahrsempfang
Oberbürgermeister Peter Gaffert beim Neujahrsempfang

Ein Viereck, auch Tetragon genannt, ist eine Figur der ebenen Geometrie, nämlich ein Vieleck mit vier Ecken und vier Seiten.

Im Gegensatz dazu spricht man bei einer Figur mit drei Ecken und drei Seiten von einem Dreieck. Und obwohl ein Dreieck eine Ecke weniger besitzt als das Viereck, hat es das Dreieck zu einer eigenen Disziplin innerhalb der Mathematik geschafft – der Trigonometrie. Die Grundaufgabe der Trigonometrie besteht darin, aus drei Größen eines gegebenen Dreiecks wie den Seitenlängen neue Werte zu berechnen. Im weiteren Sinne könnte man daher Trigonometrie auf viele andere Bereiche unseres Lebens übertragen.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit beruht auf den bekannten drei Säulen aus Ökonomie, Ökologie und Sozialem.

Ein Gemeinwesen wie eine Stadt funktioniert nur im Gleichklang von Bürgerschaft, Politik und Verwaltung. Investitionen, hohe Lebensqualität in der Stadt und fleißige Menschen sorgen langfristig für Wohlstand.

Nach dieser, zugegeben etwas schwierigen Einführung in die euklidische Geometrie, hätte uns beim genauen Hinsehen etwas auffallen müssen: Die uns allen so vertraute Merkel-Raute ist in Wahrheit gar keine Raute.

Das muss gesagt werden. Sagen, was ist. Dieser Grundsatz des Spiegel– Gründers Jacob Augstein sollte uns Ansporn sein. Doch dazu später mehr. Die Merkel-Raute ist also in Wahrheit gar keine Raute, zwar fast, aber eben nicht ganz.

Eine Raute ist nämlich definiert als Viereck mit vier gleich langen Seiten. Aber Daumen und Zeigefinger – auch bei Angela Merkel – sind nun mal unterschiedlich lang. Streng mathematisch und nach soeben gehörter Definition ist die Merkel Raute demnach ein Drachenviereck, das aus zweimal zwei rechtwinkligen Dreiecken mit unterschiedlicher Seitenlänge besteht, die sich in besonderer Beziehung zueinander befinden.

Daraus könnte man politisch ableiten, dass das aus vier Dreiecken bestehende Drachenviereck eine Art Bermudadreieck für männliche Politiker geworden ist, in dem solche Granden wie Martin Schulz, Wolfgang Schäuble oder Roland Koch verschwanden, Friedrich Merz vor wenigen Wochen sogar zum zweiten mal.

Wer aber hätte gedacht, dass die Längen von Angela Merkels Finger derartige Dimensionen aufweisen. Um dies näher zu ergründen und verstehen zu können, sollte man sich der weiterführenden Trigonometrie bedienen. Oder man sollte Physiker sein.

Ja, meine sehr verehrten Damen und Herren: Sagen, was ist. Seit 13 Jahren Merkel-Kanzlerschaft wird also eine Figur falsch beschrieben, die wir alle kennen und bewundern. Ganz schön bitter, oder?

Was lehrt uns das?! Es lohnt sich, genau hinzuschauen auf all das, was um uns herum geschieht, was in Zeitungen geschrieben und im Fernsehen gesendet wird. Auf das Gute wie auch auf das nicht so gute. Und wir sollten bei der Beurteilung sowohl des einen als auch des anderen, Wahrheiten verwenden und eine Verhältnismäßigkeit wahren, die einer hochentwickelten Gesellschaft wie der unseren entspricht und ihr angemessen ist.

Und das wollen wir heute Abend tun – anlässlich unseres Neujahrsempfanges der Stadt Wernigerode möchte ich mit Ihnen in guter alter Tradition zurückschauen auf das Jahr 2018 und einen Ausblick auf 2019 wagen.

Und so begrüße ich Sie sehr herzlich, hoffe, Sie hatten einen guten Start ins neue Jahr und wünsche Ihnen und Ihren Familien, Firmen, Mitarbeitern, den Ehrenamtlichen in Vereinen, Kirchgemeinschaften und allen Institutionen ein gesundes, friedliches und erfolgreiches Jahr 2019 und danke Ihnen für Ihr Engagement für unsere Stadt.

Doch zunächst der Blick zurück, auf 2018. Ein Jahr, das offensichtlich bei vielen in nicht allzu guter Erinnerung ist. Nicht umsonst titelten einige überregionale Zeitungen: 2018 – so schlecht war es nun auch wieder nicht.

Aber eigentlich gäbe es nichts herumzureden – in vieler Hinsicht war 2018 ein furchtbares Jahr. Donald Trump bewohnt das Weiße Haus, wenn er nicht gerade golfen ist, im Bundestag sitzt eine rechtsradikale Partei, wenn sie nicht grad empört den Saal verlässt. Die Europäische Union leidet unter Populisten und dem drohenden Austritt Großbritanniens. Es war heiß und trocken wie seit Jahrzehnten nicht. Weihnachten gab es keinen Schnee – und Horst Seehofer ist noch immer Bundesinnenminister.

Die Stimmungslage in Deutschland ist nach Angaben des Hamburger Zukunftsforschers Horst Opaschowski so schlecht wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Laut einer repräsentativen Umfrage von Opaschowski und dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos sagten zum Jahresende 2018 nur 17 Prozent der Befragten, sie sähen dem kommenden Jahr „mit großer Zuversicht und Optimismus entgegen“ und erwarteten „bessere Zeiten“. Im Jahr 2014 hatte der Anteil der Optimisten noch bei 45 Prozent gelegen.

Doch trotz Trump und Seehofer, Dieselskandal und Brexit, viele Kennzahlen, die für millionenfach ausbleibendes Leid stehen, entwickeln sich weltweit extrem positiv – nämlich nach unten. Zum Beispiel nimmt die Kindersterblichkeit weltweit weiterhin ab. Das Gleiche gilt für die Zahl von Menschen, die in extremer Armut leben müssen.

Und gegen Ende des Jahres konnte man plötzlich das Gefühl bekommen, dass doch noch etwas sehr Gutes möglich ist: Die Menschheit schafft es endlich, sich als Menschheit zu fühlen, und manchmal sogar als Menschheit zu handeln. Die Beschlüsse der Klimakonferenz von Katowice gehen zwar immer noch nicht weit genug, um katastrophale Auswirkungen der Erderwärmung auszuschließen, aber eine sehr gute Nachricht sind sie trotzdem: Nahezu alle Länder der Erde haben sich bei der Konferenz zu dem Ziel bekannt, den globalen CO2-Ausstoß zu reduzieren. Die USA aber sind nicht dabei: ein auf Twitter herumgeifernder Präsident wirkt zunehmend – und das nicht nur bei diesem Thema – in der Weltgemeinschaft wie der peinliche Onkel am Weihnachtsabend, den man am besten höflich aber befremdet ignoriert.

Aufwärts führen dagegen viele Kurven, z.B. wächst die Zahl der Menschen, die lesen können, jedes Jahr weiter.

Für viele der Ärmsten auf dem Planeten wird die Welt also tatsächlich besser, auch wenn Zyniker und Pessimisten beharrlich das Gegenteil glauben möchten.

Aus irgendwelchen Gründen fällt es aber gerade uns wohlhabenden Bewohnern der Industrienationen und insbesondere unseren Medien extrem schwer, zu akzeptieren, dass sich viele Dinge zum Positiven entwickeln. Das gilt in der Welt ebenso wie in unserer Stadt oder in unserem Land.

Vielleicht hilft uns ja zukünftig die Künstliche Intelligenz, uns ein realistisches Bild von der Welt zu machen. Denn anders als unser Intellekt verdoppeln Computer ihre Leistung alle 18 Monate.

Wir können auch heute wieder, im Rahmen unseres Neujahrsempfanges auf ein erfolgreiches Jahr 2018 zurückblicken. Mir fällt das nicht schwer, auch wenn man sich es ja kaum traut bei all den schlechten Nachrichten. Aber: In nahezu allen für eine Stadt wichtigen Kennziffern können wir mit Spitzenwerten aufwarten – Wirtschaft, Einwohnerzahlen, Tourismus. Hinzu kommen Kinderbetreuung, Bildung und ökologische Aspekte.

Die Anstrengungen, Ihre und unsere Arbeit der letzten Jahre haben sich gelohnt. WR spielt ganz oben mit in der Bundesliga, diesen Tabellenplatz gilt es zu festigen.

Ganz vorn der Arbeitsmarkt. Mit einer Arbeitslosenquote von unter vier Prozent nimmt Wernigerode einen Spitzenplatz in Sachsen Anhalt ein und kann fast von Vollbeschäftigung sprechen. Diese tolle Entwicklung hat aber hier in der Nordharzregion inzwischen eine Kehrseite, die uns allen zunehmend Kopfzerbrechen bereitet: der Mangel an Personal und ausgebildeten Fachkräften. Der seit Jahren gepredigte „Kampf um die Köpfe“ hat inzwischen eine neue Qualität und nicht erwartete Dimension erfahren. Wer diesen verliert, dessen Existenz kann auf dem Spiel stehen. Wenn wir unsere Entwicklung fortsetzen und unserer Stadt und der Region eine Zukunft geben wollen, meine Damen und Herren, dann müssen wir uns gemeinsam dieses Themas annehmen. Denn was nützen uns leistungsfähige Unternehmen, beste Pflegeeinrichtungen, schicke Hotels und Sternerestaurants, wenn die Menschen fehlen, die an den Maschinen stehen, die sich um die Pflegebedürftigen kümmern, die in der Sterneküche kochen oder die Kinder in den Kitas betreuen.

Wir brauchen eine noch bessere Vernetzung aller Aktivitäten und Institutionen in der Harzregion, die EIN HARZ Initiative ist dafür ein hervorragendes Instrument. Wir brauchen weiterhin ein gutes Image und eine noch bessere Außendarstellung unserer Stadt als Ort zum Leben und zum Arbeiten. Der Rückkehrertag am 27. Dezember in unserem Rathaus war eine gelungener Auftakt – ohne ausländische Arbeiter werden wir diese Herausforderung jedoch nicht bestehen. Daran werden auch die blauen Schilder der neuen Autobahn A36 nichts ändern – auf der ich übrigens bald gern– von BS bis Bernburg – mal durchgehend telefonieren können würde – ohne Funkloch.

Viele traditionelle Unternehmen, Handwerksbetriebe und Einzelhändler, unserer Stadt, sie alle, meine Damen und Herren, haben zu dieser positiven Wirtschaftsentwicklung beigetragen, und Neuinvestition bspw. Krebs & Aulich GmbH, Chokotech GmbH, die Eröffnung des Burger-Restaurants Mampfy oder der Neubau des Geschäftshauses Steinke/Dunkel belegen, dass Wernigerode nach wie vor ein beliebter zukunftsfähiger Wirtschaftsstandort ist. Offensichtlich haben das aber die Manager von AB Inbev noch nicht so ganz verstanden.

Wie ist es sonst zu erklären, dass mit einem Traditionsunternehmen wie der Hasseröder Brauerei so stümperhaft, dilettantisch und geschäftsschädigend umgegangen wird wie in den vergangenen zwölf Monaten? Auf diesen Dreiklang hätten die Wernigeröder gern verzichtet. Wir hoffen, und wünschen für Hasseröder, auf eine baldige Entscheidung – zum Wohle der Mitarbeiter, des Standortes und der uns so an die Zunge gewachsenen Biermarke! Denn irgendein anderes Bier aus dieser Brauerei wäre dann wie die eingangs zitierte Raute – nicht ganz falsch, aber keinesfalls richtig.

Dass unsre Stadt ein zukunftsträchtiger Standort ist, beweisen auch unzählige Bauinvestitionen im Wohnungs- und Gewerbebau – allein 7 Bebauungspläne wurden im Jahr 2018 beschlossen, darunter der so wichtige zur Nutzung des Ochsenteichgeländes als Standort für den Neubau einer Dampflokwerkstatt für die HSB. Aber auch für die Schaffung von Wohnraum haben wir die Weichen gestellt, denn Wohnraum ist neben der Fachkräftegewinnung die wichtigste große Herausforderung für unsere Stadt.

WR hat sich mehr denn je als ein beliebter Wohnort entwickelt – viele Menschen wollen hier leben. Ich danke insbesondere der Firma Beck und Strecker für die imposante Investition auf dem ehemaligen Argenta-Gelände und der Firma STRATIE für die überaus gelungene Bebauung am langen Schlage. Die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen. Umso ärgerlicher ist es, dass wir nach mehr als 5 Jahren Planen und Umplanen auf einer der wichtigsten innerstädtisch noch verfügbaren Fläche – nämlich auf dem Gelände der ehemaligen Maxim Gorki Schule noch immer keinen genehmigten B-Plan für die Wohnbebauung vorlegen können. Liebe Anwohner der Rathenaustraße, es gibt auch noch andere Menschen, die schön wohnen wollen.

Ähnliches Verhindern erleben wir von einzelnen Nachbarn des Fußballplatzes des FC Einheit in Hasserode. Seit Jahren, selbst jetzt, kurz vor der Fertigstellung des neuen Sozialgebäudes, wird versucht, den Bau zu verhindern. In solchen Fällen bin ich geneigt, unseren Maxim Gorki zu zitieren:

Nach Gesprächen mit manchen Menschen hat man den Wunsch, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzulächeln und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.

Diesen Wunsch konnte ich auch verspüren, als im Sommer unser geschätztes Ministerium für Umwelt wiederholt mit einem Eingriff in das Verwaltungshandeln dafür sorgen wollte, bereits verabredete und zugesagte Vertragsgestaltungen für die Entwicklung am Winterberg in Schierke zu torpedieren. Als hätte es den Januar 2018 nicht gegeben viele von Ihnen erinnern sich bestimmt an die Harz-Mafia-Story. Wie peinlich.

Aber, meine Damen und Herren, es geht weiter. Auch diese Verträge wurden unterschrieben. Zum Jahresende wurden die kompletten, überarbeiteten Unterlagen für das Raumordnungsverfahren Winterberg in Magdeburg eingereicht. Ich danke an dieser Stelle ausdrücklich all den beteiligten Planungsbüros, den Mitarbeitern unserer Bauverwaltung und denen des Landkreises und nicht zuletzt natürlich Herrn Bürger, der trotz mancher Rückschläge und Enttäuschungen an seinem Vorhaben festhält.

Und es wird sich lohnen das zeigen die bereits umgesetzten Projekte in Schierke. Der Tourismus boomt. Die Übernachtungszahlen sind um unglaubliche sechzehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen zum Vergleich: Wernigerode hat eine Steigerung von sieben Prozent zu verzeichnen, das Land Sachsen Anhalt gerade einmal ein Prozent.

Die Schierker Feuerstein Arena erfreut sich auch in diesem Winter eines sagenhaften Ansturmes dank an das Team und das Investoren Interesse an unserem Bergdorf ist weiterhin ungebrochen. Das Schierke Resort wird einen Poolbereich schaffen, Herr Rader ist bereits am Bau eines Italienischen Restaurants und die ARBOREA Gruppe wird mit ihrer Hotel Investition beginnen.

Wir als Stadt werden die Kita und den Bauhof-Feuerwehr-Komplex, die EDEKA Gruppe hoffentlich ihren neuen Einkaufsmarkt fertig stellen, nachdem die Fledermäuse ausgeschlafen haben, so dass auch 17 km von Wernigerode entfernt, auf 650 m üNN, endlich wieder eine zeitgemäße, den Anforderungen an einen modernen Ferienort gerecht werdende Infrastruktur vorgehalten werden kann.

10 Jahre, meine Damen und Herren, hat es dort gedauert, Mut und über 50 Millionen € an öffentlichen und privaten Investitionen waren nötig, die größten Wunden der deutschen Teilung und die Folgen von 20 Jahren Stillstand zu heilen. Und das Sterben eines Ortes zu verhindern, das Ausbluten des Oberharzes zumindest punktuell zu stoppen und Schierke zu einem der meistbesuchten Ferienorte Sachsen-Anhalts zu machen.

Gerade bei diesem Thema würde ich mir wünschen – und viele mit mir: Genau hinschauen. Und erst dann sagen, was ist. Das manchmal penetrante Ineinanderfließen von Meinung, Halbwissen und Fakten sollte einfach unterlassen werden, wie Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur und Herausgeber der Zeit, es jüngst gegenüber Journalistenkollegen sehr treffend formulierte.

Vieles noch gäbe es aus dem Baubereich zu berichten. Doch davon haben sie sich sicher im Verlaufe des vergangenen Jahres selbst ein Bild machen können. Gefühlt wurde an jeder nur möglichen Ecke in unserer Stadt gebaut.

Drei besondere Vorhaben jedoch möchte ich dennoch erwähnen. Zum einen die Fertigstellung des Intersport Geschäftshauses mit Wohnungen in der Breiten Straße ,die Eröffnung des komplett sanierten Kinos unserer Stadt, der Volkslichtspiele und die Wiedereröffnung der Harburg hoch über der Stadt. Mein besonderer Dank für diese besonderen Investitionen geht an die Fam. Hanisch , die GWW und an Familie Ahrendt. Diese drei Investitionen sind das Ergebnis von Visionen, Mut und Ausdauer und gleichsam Ausdruck eines hohen Anspruchs und einer hohen Lebensqualität in unserer Stadt.

Und natürlich gab es auch 2018 wieder genügend kulturelle Highlights, die zu unserer Stadt gehören wie Schloss und Rathaus.

Der 6. Klavierwettbewerb Neue Sterne war eines der Glanzlichter unserer kulturellen Angebote, ebenso das erstmals in Wernigerode ausgetragene Landeschorfest ,das tolle Harz open Air mit Adel Tawil oder die besonderen Ausstellungen auf dem Schloss, im Kunstverein oder in unserem Harzmuseum. Ich gratuliere nochmals Esther Waldhausen zum Kulturpreis und Herrn Prof. Krell zu seinem 90. Geburtstag und danke Ihnen für die überaus gelungene Benefiz Veranstaltung zugunsten des Umbaus der Liebfrauenkirche zur Kulturkirche.

Ja, meine Damen und Herren, die Diskussion um die Kulturkirche. Sie hat sich im vergangenen Jahr geradezu zum Kulturkampf entwickelt.

Wie viel Visionen, Enthusiasmus und Mut sind nötig, ein solches Projekt anzugehen. Respekt und vielen Dank, Reiner Schulze. Und all den Unterstützern aus nah und fern, den Bürgerinnen und Bürgern, die gespendet haben, noch spenden werden und sich schon heute in hohem Maße mit diesem neuen Schatz unserer Stadt identifizieren.

Was aber war und ist der Antrieb derjenigen, die mit ähnlich viel Kraft und Energie, jedoch völlig ohne Visionen, versucht haben und noch immer versuchen, dieses Projekt zu verhindern?

Sie werden es uns eines Tages verraten.

Oder sie werden – wie bei anderen Vorhaben auch bei der ersten im Projekt auftretenden Schwierigkeit empört und entsetzt mit Unterstützung der papiergewordenen Skandalisierung den Weltuntergang herbeireden. Vielleicht finden sich ja noch ein paar Plätze im Bermudadreieck.

Auch Jahrestage und Jubiläen gab es ausreichend, der 10. Oldie Cup bei Germania Wernigerode, sein 20 jähriges Bestehen feierte der offene Kanal und seit 25 Jahren fühlen sich auch die Benzingeröder, die Minsleber und die Silstedter wohl unter dem Wernigeröder Dach.

Und so ganz nebenbei hat der Oberbürgermeister dieser Stadt auch 10 Amtsjahre überlebt. Was für tolle , spannende Jahre, für die ich sehr dankbar bin und damit all denen, die mich und meine Vorhaben in all den Jahren unterstützt haben. Ich danke all meinen Mitarbeitern,  vielen Stadträten und Bürgern unserer Stadt. Danke für die schöne Zeit.

2018 war für Wernigerode ein gutes Jahr und ein Jahr der Preise und Auszeichnungen. Für all unsere Bemühungen und Entwicklungen der vergangenen Jahre, insbesondere im Bereich des Natur – und Klimaschutzes, der Nachhaltigkeit und der internationalen Beziehungen wurden wir beispielsweise mit dem European Energy Award oder dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis geehrt. Aber auch ein Kurzfilm zur Feuerwehr, der Auftritt unseres Kammerchores bei den Chorweltmeisterschaften in Südafrika oder die Architektur unserer Schierker Feuerstein Arena schienen für manche überregionale Jury preiswürdig zu sein. Bei näherem Hinschauen könnte man darauf stolz sein oder sich sogar darüber freuen. All das ist beste Werbung für unsere Stadt. Wie unsere neue Homepage. Es lohnt sich das Hinschauen. Und sagen, was ist.

Das neue Jahr ist nun bereits neun Tage alt, 356 bleiben uns noch, bevor wir wieder Abschied nehmen, vom Jahr 2019. Was wird es bringen? Es gibt nicht wenige, die mit etwas bangem Blick dem Neuen entgegenschauen. In Deutschland sieht man mit gewisser Skepsis den drei bevorstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen sowie den bereits im Mai stattfindenden Europawahlen entgegen. Und so wird der Osten mal im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen 2019 wird ein Jahr des Ostens.

Und das auch, weil sich am 9. November zum 30. Male der Mauerfall jährt. Liebe Gäste,

30 Jahre kein Sperrgebiet mehr,
30 Jahre Westauto fahren und Tchibo Kaffee trinken,
30 Jahre kein Schwefeldioxid mehr einatmen, aber stattdessen Stickoxide
30 Jahre die Möglichkeit, an die Côte d’Azur zu reisen und dann doch jeden Sommer nach Heringsdorf an die Ostsee fahren.

30 Jahre hatten wir Zeit, 40 Jahre Trennung zu verarbeiten. Das sollte doch reichen, oder? Tat es aber offensichtlich nicht. Der Riss, der zwischen West – und Ostdeutschland geht, ist nicht nur gefühlt tiefer geworden in den vergangenen Monaten. Die Ergebnisse der Bundestagswahl, die Ereignisse in Chemnitz und Köthen , das gefühlte ständige Gejammer er Ossis. Das nervt genauso wie das permanente Besserwissen der anderen, die meinen, dass diese Ostler, immer noch nicht das machen, was man nach 30 Jahren Solizahlung eigentlich erwarten könnte. Wie störrische Kinder!

Was werden sie also machen, die Ossis, in diesem Jahr? Werden sie wirklich den Populisten der Afd nur annähernd so viele Stimmen geben, wie es die Prognosen vorhersagen? Wie groß werden dann wieder das Unverständnis der Politiker und die ritualisierte Empörung in den Medien sein. Über das undankbare Ostvolk, das doch früher nicht mal Bananen hatte.

Oder werden sie, gemeinsam mit den Wessis, den 30. Jahrestag des Mauerfalls als den historischen Tag würdigen, der Europa, die Welt und ihr Leben verändert hat?

Vielleicht kann sich ja doch eine Mehrheit an dem größten, was uns der Mauerfall gebracht hat, erfreuen? An Freiheit und Demokratie. Und diese zum Maßstab ihrer Wahlentscheidung machen?! Selbstbewusstsein ist gefragt, liebe Landsleute. Genau hinschauen. Und sagen, was ist..

Auch wir werden wählen in Wernigerode, für Europa und für unsere Stadt. Im Mai. Dann wird es nach 5 Jahren einen neuen Stadtrat geben. Ich danke den aktuellen Stadträten für ihr ehrenamtliches Engagement. Einige von Ihnen werde ich sicherlich hier wiedersehen.

Ich wünsche mir für unsere Stadt,

  1. Dass viele Menschen zur Wahl gehen,
  2. Dass sich viele Menschen bereiterklären, sich zum Wohle ihrer Stadt ehrenamtlich zu engagieren und
  3. Dass ab Juli 2019 wieder eine große Mehrheit der Vernünftigen und Engagierten und nicht der Verhinderer und Populisten hier im Rathaussaal sitzen werden.

Aber die Arbeit beginnt quasi ab morgen. Wir wollen – hoffentlich bereits Ende Januar unseren Haushalt für das Jahr 2019 verabschieden. Meine Damen und Herren, liebe Stadträte, ja, es ist richtig, es wird finanziell ein nicht ganz einfaches Jahr 2019. Aber wir sollten auch hier die berühmte Kirche im Dorf lassen und uns der schlechten Laune einzelner einfach verweigern. Ich sage es noch einmal, auch zum Mitschreiben für alle, die ständig auf das zukünftig vielleicht eintretende Unheil starren sowie für den papiergewordenen Pessimismus: das hat mit den Investitionen der Stadt der vergangenen Jahre nichts zu tun, weder mit denen in der Kernstadt noch in den Ortsteilen. Und nicht sondern handeln und Zukunft gestalten– machen Sie weiter mit! Ich brauche Sie.

Es ist unverhältnismäßig und falsch, einer Stadt, die über eine Rücklage von knapp 10 Millionen € und ein Eigenkapital von über 200 Millionen € verfügt, keine Kassenkredite benötigt und mit den niedrigsten Schuldenstand aller Kommunen in unserem Land hat, den Pleitegeier umzuhängen.

Aber, meine Damen und Herren, es ist richtig, dass Leistungen Geld kosten. Auch die Leistungen einer Stadt. Und so sollte man auch hier genau hinschauen. Und erst dann sagen, was ist.

Wir werden nicht mehr so viel wie in den Vorjahren bauen, das habe ich bereits im letzten Jahr angedeutet, aber wichtige, zukunftsweisende Vorhaben werden fertiggestellt werden. So neben den bereits genannten bspw. die Kindergärten in Reddeber ein Dank an die Stadtwerke und Schierke. Gern hätten wir in diesem Jahr mit dem Ausbau der Friedrichstraße begonnen. Dauert leider noch.

Unter dem Küchengarten soll nun endlich die Erschließung beginnen und natürlich hoffen wir auf den Baubeginn der Seilbahn. Der Harz braucht sie dringend.

Wenn der Stadtrat zustimmt, wird durch die GWW mit der Planung des Um- bzw. Neubaus der Francke–Schule begonnen. Auch hier muss man sagen Endlich.

Und, wenn alles gut läuft, werden wir den Grundstein für die neue Werkstatt am Ochsenteich legen. Und die Umbauarbeiten an der Liebfrauenkirche zur Kulturkirche werden hoffentlich ohne weitere Misstöne starten. Und wir können wieder in die POST zum Essen gehen.

Kulturveranstaltungen und Feste werden auch 2019 nicht fehlen.

Einiges, was sie kennen, was sich in den vergangenen Jahren etabliert hat, wird Ihnen 2019 wieder begegnen.

Zwei besondere Veranstaltungen werden wir in diesem Jahr zusätzlich erleben. Neben Walpurgis, dem Brahms Festival, dem Harz-open Air und der Chocol‘Art ist Wernigerode erstmals Ausrichtungsort für den Deutschen Schützentag. Ende April werden tausende Schützen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz in der bunten Stadt zu Gast sein. Und kurz darauf feiern wir mit unseren Freunden aus Neustadt an der Weinstraße 30 Jahre Städtepartnerschaft. Was für ein schönes Ereignis. Und was für eine beispielhafte Städtepartnerschaft.

Meine Damen und Herren, liebe Gäste, sie haben es verfolgen und erleben können in den vergangenen Jahren: Wernigerode hat sich verändert und verändert sich weiter, ohne sich selbst zu vergessen. Wernigerode war und ist mutig, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Es lohnt sich hinzuschauen. Auf das was ist. Ob Raute oder Drachenviereck. Und dann zu sagen, was ist.

Vielen Dank.