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07.07.2020

Die Schafe sind wieder da

Die Wernigeröder Wiesentäler sind etwas ganz Besonderes. Direkt im Übergang zwischen Harz und Harzvorland liegend, verfügen sie über eine hohe biologische Vielfalt.

Frauke Meenken mit ihrer Herde zwischen Burgbreite und Kastanienwäldchen
Katrin Anders
Frauke Meenken mit ihrer Herde zwischen Burgbreite und Kastanienwäldchen
Katrin Anders

Ohne ihre tierischen Rasenmäher würden sie zuwachsen. Ihr Blütenreichtum, von dem insbesondere Insekten und Vögel profitieren, würde verschwinden.

Die 270 Merino-, Schwarzkopf- und Suffolkschafe umfassende Herde des „Merino Herdbuchzucht Heimburg 1861-Landschaftspflege Harz e. V.“ beweidet knapp 34 Hektar Fläche in Wernigerode, 25 Hektar im Eigentum der Stadt Wernigerode. Die Herde ist zurzeit am Kastanienwäldchen zu Gast, mit Blick auf die Burgbreite bis zum Riesenrad. Dort bleibt sie eine gute Woche, zieht dann weiter zur Schützenwiese, dem Kalten Tal, Zwölfmorgental, Bollhasental und weiteren Flächen.

Ohne die fleißigen Schafe müsste die Offenhaltung der Flächen maschinell erfolgen, was aufgrund der Hanglagen nicht nur schwierig, sondern auch sehr kostenintensiv wäre. Die Beweidung fördert die biologische Vielfalt der Flächen. Durch das Abfressen entsteht ein Mosaik aus unterschiedlich intensiv genutzten Flächen, sodass es kurzrasige und langrasige Anteile in der Weide gibt. Der Aufwuchs wird nicht auf einen Schlag entfernt, sondern bietet immer noch genug Pflanzenmaterial als Nahrung und Rückzugsraum, vor allem für Insekten und Vögel.

Neben der Landschaftspflege zum Erhalt der historischen Harzer und Vorharzer Kulturlandschaft hat sich der Verein der Erhaltung reinrassiger Merino-Schafe verschrieben, eine Rasse, die in Deutschland immer seltener wird. „Neben der Erhaltung dieser alten Schafrasse macht uns auch die Zukunft ihrer menschlichen Begleiter Sorgen“, berichtet Frauke Meenken, Vorsitzende des Vereins mit Sitz in Langenstein. Nachwuchs gibt es bei dem Beruf des Schäfers deutschlandweit kaum.

Der Anblick einer mit Schafen beweideten Wiese ist leider immer seltener. Neben ihrer wichtigen landschaftspflegerischen Funktion geht es auch um den Erhalt einer langen Tradition. Gerade das Merinoschaf ist eine sogenannte Zweinutzungsrasse, die sowohl Fleisch als auch Wolle liefert. Bei der Wolle handelt es sich um eine spezielle, feine Wollart, die bei keiner anderen Rasse entsprechend ausgeprägt ist. „Es wird immer schwieriger, die Schafbeweidung wirtschaftlich zu betreiben“, berichtet Frauke Meenken. Es sei fraglich, wie lang die Aufrechterhaltung dieser Tradition noch möglich ist.

„Die Wiesentäler in Wernigerode sind landschaftsprägend“, sagt Katrin Anders, zuständig für Nachhaltige Stadtentwicklung und Demografie im Amt für Stadt- und Verkehrsplanung. Die dauerhafte Erhaltung dieser Flächen ist der Stadt wichtig, dazu hat sie sich in ihrer Grünflächenstrategie bekannt. „Wir hoffen sehr, dass uns der Merino-Verein auch zukünftig als Partner für die Landschaftspflege zur Verfügung steht“.
Diesen Sommer sind die Schafe jedenfalls wieder gern gesehene Gäste in Wernigerode. Noch bis Ende September ziehen sie von Wiese zu Wiese.

Foto: Frauke Meenken, Vorsitzende des Merino-Vereins, mit ihrer Herde zwischen Burgbreite und Kastanienwäldchen © Katrin Anders