Der Stadtforst als Viehweide

Der Stadtforst als Viehweide

Der Wald war aber nicht nur für wilde Tiere lebensnotwendig. 1407 wurde die Waldweide des Viehs erstmals erwähnt und stand allen Bürgern zu.

1744 wurden die Weide für Schafe und Ziegen verboten, weil sie die Triebe der jungen Bäume und damit das Nachwachsen des Waldes zu sehr schädigten.

1865/1866 wurde das Weidegeld pro Tier eingeführt, dies stieg in der Folge stetig an. Um 1950 endete die Weidenutzung aufgrund von Aufforstungen und LPG-Bildung.

Auch Laub- und Nadelstreu zur Einstreu im Viehstall musste der Stadtwald den Bürgern liefern. Die Ausgabe von Graszetteln zum Mähen von Gras mit der Sense ermöglichte die Versorgung des Stallviehs mit Graseinstreu anstelle von Laub- und Nadelstreu. Der für den Wald lebenspendende Zersetzungsprozeß im Waldboden sollte so vor einer Plünderung bewahrt werden.

Seit dem 18. Jahrhundert gab es mehr Stallfütterung und damit noch mehr Bedarf an der Streu.

Außerdem wurden Laub- und Nadelstreu auf Äckern als Dünger verwendet. Die Folgen für den Wald glichen dem des Raubbaus am Holz. Erst durch die Einführung des Kunstdüngers nahm dies ab.

An den Früchten des Waldes erfreuen wir uns, wenn wir Beeren, Pilze und Nüsse sammeln. In früheren Zeiten nutzten die Wernigeröder die Früchte des Waldes sowohl für sich als auch für ihre Nutztiere. Besonders im Mittelalter wurde der Stadtwald zur Bienenweide und damit zur Honigproduktion genutzt und auch heute noch ist "Waldblütenhonig" beliebt.

Bei der sogenannten Waldmast wurde das Vieh - vor allem Schweine - von den Wernigerödern in den Wald getrieben, um sich dort von Bäumen gefallene Früchte wie Bucheckern und Eicheln ("Obermast") oder die "Früchte" im Boden wie Insektenlarven ("Untermast") zu suchen.

Die dafür zu zahlenden Mastgelder brachten der Stadt zum Teil einen deutlich höheren Erlös als der Holzverkauf.

Diese Nutzung des Waldes gibt es heute nicht mehr, aber sie zeigt, wie sich die Ansprüche der Wernigeröder an ihren Wald im Laufe der Zeit verändert haben.

Andere Nutzungsformen des Stadtwaldes:

Andere Nutzungformen, die wir zur Zeit nicht oder kaum mehr im Stadtwald haben, waren folgende:

Die Köhlerei, die Umwandlung von Holz in Holzkohle als Energielieferant, war wegen ihrer Waldbrandgefahr den Forstbeamten zur Aufsicht unterstellt.

Die Harzgewinnung erfolgte durch das Anritzen ("Harzscharren") von Nadelbäumen und bedeutete den Verlust des wertvollen Nutzholzes.

Mithilfe der Gerb- oder Lohrinde wurden Tierhäute zu Leder gegerbt.

Fichtenzapfen wurden früher wurden gepflückt und in "Klängeanstalten" gebracht, wo die Samen aus den Zapfen herausgelöst wurden. Die Saatgewinnung spielt heute im Stadtwald nur noch zur Erhaltung seltener Arten eine Rolle.

Der Granitabbau auf einer Waldfläche von 25 ha war für die Stadt Wernigerode eine wichtige Wirtschaftsquelle. Zwischen 1875 und 1904 gab es im Stadtwald 15 Steinbrüche mit 488 Beschäftigten. Das Schloß Wernigerode wurde mit dem Gestein "Grauwacke" aus dem Agnesberg erbaut und aus Zillierbach und Holtemme wurden Kiesel- und Bruchsteine für Wege gewonnen.


Kontakt und weitere Informationen:

Stadtverwaltung Wernigerode
Revier Stadtforst
Bahnhofstraße 35
38855 Wernigerode 
Tel: 03943. 654. 822
E-Mail: Michael.Selmikat@wernigerode.de 

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