Die Benzingeröder Dorfkirche

Der Altar in der Benzingeröder Kirche.
Die Benzingeröder Kirche ist - zumindest für eine Kirche - relativ jung: Als bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts deutlich wurde, dass die alte Dorfkirche fast irreparable Schäden aufwies, entschloss man sich zum Neubau. Während die alte Kirche sich in der heutigen Schulstraße, angrenzend an das ehemalige Rittergut, befand, wählte man nun den freien Platz an der Hauptstraße aus. Am 11. März 1902 war Baubeginn; bereits am 8. November 1903 konnte die neue Kirche feierlich geweiht werden.

Der Architekt dieses Kirchenbaues war der Ober- und Geheimrat Johannes Pfeiffer aus Braunschweig. Die Ausmalung erfolgte durch den Hofdekorationsmaler Quensel. Taufstein und Kanzel sind aus Blankenburger Sandstein gefertigt.

Der Baustil der Kirche weist im Vergleich mit anderen Kirchen erhebliche Eigenheiten auf. Sie wurde im neo-romanischen Stil erbaut, also in Anlehnung an die architektonische Formensprache der Romanik (10./11. Jahrhundert; gedrungene Rundbögen). Hinzu kommen vor allem in der Innengestaltung auch neo-byzantinische Elemente (z.B. die an Ikonen erinnernden Porträts der zwölf Apostel).

Auch die Kreuzform des Grundrisses mit der großen sternenbemalten Kuppel in der Mitte erinnert an byzantinische Kirchen. Die Ansicht, dass die Benzingeröder Kirche ein 1:10 Modell der alten Berliner "Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche" sei, ist zwar verbreitet, aber ein Irrtum. Die Ähnlichkeit liegt an der zeitbedingten Vorliebe für die oben genannten Stilrichtungen.

Einrichtung der Kirche

Die Bilder und Symbole der Innengestaltung sind stark vom letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, inspiriert.

Im Altarraum wird versucht, das Bild des himmlischen Jerusalems, wie es im 21. und 22. Kapitel beschrieben ist, hervorzurufen: vier der zwölf Tore sind zu sehen, die vier Paradiesströme Geon, Phison, Euphrat und Tigris strömen hervor, nun zum "Wasser des Lebens" geworden. So steht in Kapitel 21,6: "Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst."

Darüber befinden sich Brustbilder der zwölf Apostel als "erster Schar der Zeugen", zu der sich auch die nun hier versammelte Gemeinde zählen darf.
Im oberen Bereich dominieren zwei Engel. Der linke mit Weltkugel und Schwert symbolisiert das Gericht und die Richtermacht Gottes; der rechte mit Friedenspalme und Hirtenstab die göttliche Zuwendung und Gnade.

Die griechischenBuchstabenA undObeziehensichebenfalls auf Offenbarung 21,6: Christus spricht: "Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende." An den Seitenwänden befindet sich je ein Palmenbaum.

Am Kreuz des Altars fällt auf, dass Christus hier nicht als der Leidende mit der Dornenkrone, sondern bereits mit der Königskrone des Überwinders dargestellt ist. Unterhalb des Kreuzes begegnet der einladende Jesus mit Brot und Kelch. Im Rosettenfenster findet sich eine Darstellung des auferstandenen Christus.



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