Zum 300. Geburtstag des Wernigeröder Forstmanns Hans Dietrich von Zanthier (1717-1778)

Hans Dietrich von Zanthier gehört zu den bedeutsamsten Begründern der nachhaltigen Forstwirtschaft im 18. Jahrhundert. Er war gräflich-stolbergischer Oberforst- und Jägermeister und bemühte sich nicht allein um die zukunftsorientierte Nutzung des Forstes, sondern auch um die erstmals praktische und theoretische Ausbildung qualifizierter Forstleute. Seine Reformen und Maßnahmen waren prägend für das heutige Landschaftsbild des Harzes und der Grundstein zur Entwicklung der modernen Forstwissenschaft.


Zur Zeit des 17. bis 18. Jahrhunderts sahen sich die Menschen mit dem Problem des immer größer werdenden Holzmangels konfrontiert.Wälder wurden unbedacht kahl geschlagen, ohne dafür zu sorgen sie wieder aufzuforsten. Im Herrschaftsgebiet der Grafschaft Stolberg-Wernigerode wurde zu dieser Zeit intensiver Bergbau betrieben, wofür Holz den wichtigsten Brennstoff darstellte.

Geboren wurde Hans Dietrich von Zanthier, der einem anhaltinischen Adelsgeschlecht entstammte, am 17. September 1717 in dem kleinen Dorf Salzfurtkapelle. Zusammen mit einem Vetter wuchs er in Burgkemnitz bei Bitterfeld auf, da bereits früh seine Eltern verstarben.

Im Alter von 15 Jahren wurde Zanthier von Hofmarschall von Polenz als Leibpage zu dem Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel geschickt und begann eine Jägerlehre im Wolfenbütteler Forst. Zwei Jahre später, 1734, sandte ihn der Herzog zu dem angesehenen Forstmeister Johann Georg von Langen nach Blankenburg, bei dem er ebenfalls als Jagdpage lernte. Langen brachte dem 17-jährigen Zanthier die Vermessung, Einteilung und Abschätzung der Forste bei und hatte einen prägenden Einfluss auf seinen Schüler. In den Jahren 1737 bis 1746 begleitete Zanthier seinen Meister mit mehreren anderen Forstleuten nach Norwegen, um dort die Forstgebiete zu kartieren und die wald- und holzwirtschaftlichen Verhältnisse festzustellen. Zusammen fertigten sie mit unübertroffener Genauigkeit die ersten Karten von Norwegen an.
Infolge des Ablebens von König Christian VI. von Dänemark wurden die Forstarbeiter 1746 entlassen und kehrten nach Deutschland zurück.

Hier wurde Hans Dietrich von Zanthier als neuer Forstmeister der drei Hohensteiner und des Schierker Reviers am 9. Januar 1747 in sein Amt eingeführt und ein Jahr später zum Oberforst- und Jägermeister ernannt, mit der Oberaufsicht für den gesamten Wernigeröder und Hohensteinischen Forstbesitz.


In den folgenden dreißig Jahren seines Lebens wirkte Zanthier aktiv im Gebiet des Harzes. Zunächst veränderte er die Struktur der Wälder, indem er sein Territorium in sechs Reviere einteilte. Anschließend bestimmte er die Nutzung einzelner Reviere gemäß der Beschaffenheit des vorhandenen Waldes und nicht entsprechend des Bedarfs.

Mit der Überzeugung, dass "alles auf das Zukünftige gehen" würde und den Nachkommen kein Schaden durch unbestockte Flächen entstehen dürfe, war Zanthier seiner Zeit weit voraus. Um dies zu verwirklichen, schenkte er der Wiederaufforstung der Wälder besondere Aufmerksamkeit. Zu diesem Zweck wurden die Samengewinnung, die Saat und die Einführung standortgemäßer und schnellwachsender Baumarten intensiviert. Unter seiner Anleitung wurde der erfolgreiche Versuch gewagt, kahle Flächen, wie zum Beispiel des Brockens, durch Pflanzungen und nicht allein durch Saaten, allmählich wieder zu bewalden.

Hans Dietrich von Zanthier bewies zudem eine ausgesprochene Weitsichtigkeit mit Empfehlungen zum Schutz des Waldes. Er schlug die Anwendung von Meileröfen vor, um den effektiveren Brennstoff Holzkohle herzustellen sowie den Gebrauch von Torf als Ersatzstoff für Holz. Weiterhin forderte er die Regulierung des hohen Wildbestandes, da dieser größtenteils für den schlechten Zustand des Waldes verantwortlich war.

Um 1765 gründete Zanthier in Ilsenburg die erste "Forstakademie" in Deutschland. Der Hintergrund dessen war die Zukunft der Forstwirtschaft durch die gründliche Ausbildung fachkundigen Personals zu sichern.

In Zanthiers Meisterschule lag der Schwerpunkt von daher auf der Wissensvermittlung und nicht auf der Praxis der Jagd, wie es bis dahin üblich war. Erstmals wurde in der forstlichen Lehre vormittags im Unterricht theoretisches Wissen vermittelt und dieses am Nachmittag praktisch angewandt. Zu den Lehrfächern gehörten neben den Naturwissenschaften Mathematik, Geometrie und Physik auch Botanik und Ökonomie. Zur Veranschaulichung für seine Schüler wurde bei dem "Waldhof" von Ilsenburg ein Arboretum angelegt mit 29 Nadelholz- und 43 Laubholzarten aus dem Ausland. Laut Zanthier waren diese für das Klima im Harz geeignet und zeichneten sich außerdem durch ihren schnellen Wuchs aus.

Am 30. November 1778, mit 61 Jahren, verstarb Hans Dietrich von Zanthier in Folge eines jahrelangen Brustleidens im Schloss zu Wernigerode.

Auf Grund seines Todes konnte auch die Forstschule, mit ihm als einzigen Lehrer, nicht weiter bestehen. Trotz mehrerer gescheiterter Versuche, die Lehranstalt wieder aufleben zu lassen, ist es der Verdienst Zanthiers die erste ihrer Art in Deutschland gegründet zu haben und durch ihr Bestehen den Weg zu einer umfassenden Ausbildung von Forstbeamten aufzuzeigen.

Text: Anna Arndt, Studentin HTWK Leipzig im Praktikum in der Harzbücherei Wernigerode

Auswahl der in der Harzbücherei vorhandenen Literatur


Ahlhelm, Günter: Deutschlands erste Forstakademie : aus dem Leben und Schaffen des Oberforstmeisters von Zanthier.
In: Heimatzeitschrift des Kreises Wernigerode, Harz.1.1957,2, S. 38-40

Decker, …: Das Leben und Wirken des Oberforstmeisters von Zanthier : (Festvortrag, gehalten am 14. August 1955 … anläßlich der Uebergabe der Zanthier-Anlage und des Gedenksteins mit Plakette an die Gemeinde Ilsenburg)
Aus: Der Feuerwachtturm : Betriebszeitung des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Wernigerode. 2.1955,10, Beilage (2 Bl.)

Grosse, Walther: Hans Dietrich von Zanthier
In: Mitteldeutsche Lebensbilder. Hrsg. von der Historischen Kommission die Provinz Sachsen und für Anhalt. Magdeburg. Bd. 3, Lebensbilder des 18. und 19. Jahrhunderts, 1928. S. 10-23  
       
Gynz-Rekowski, Georg von: Die Denkmäler von Wernigerode. Wernigerode 1968. 122, XXXIV Bl.
S. 92-94 Oberforstmeister v. Zanthier

Kropp, Frank und Zoltán Rozsnyay: Niedersächsische Forstliche Biographie: ein Quellenband. [Hrsg.: Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten]. Hannover 1998. 628 S. (Aus dem Walde; 51)
S. 490-493 Hans Dietrich v. Zanthier

Schwartz,Ekkehard: Auf den Spuren des Oberforst- und Jägermeisters Hans Dietrich von Zanthier. Remagen-Oberwinter: Kessel, 2004. 126 S.

Schwartz, Ekkehard: Gedenkrede zum 250. Geburtstag H. D. v. Zanthier’s am 16.9.1967 im Festsaal des Rathauses zu Wernigerode. Manuskr. Eberswalde 1967. 20 Bl.

Verdienstvolle Forstleute und Förderer des Waldes aus Sachsen-Anhalt. Hrsg. von Bernd Bendix in Verbindung mit dem Landesforstverein Sachsen-Anhalt e.V. Oberwinter : Kessel, 2012. 448 S.
S. 434-442 Hans Dietrich von Zanthier

Zanthier, Hans Dietrich von: Der wohlgeübte und erfahrne Förster : ein Beytrag zu H. W. Döbels Jägerpractica. Remagen-Oberwinter : Kessel, 2010. 188 S. (Forstliche Klassiker ; 9)

Zanthier, Hans Dietrich von: Kameral-Forst-Wirtschaft. Aufgesetzt von dem Oberforstmeister von Zanthier 1767. Bearb., notwendige "Übersetzungen" und Ergänzungen in Klammern gesetzt und mit Hilfe der Zeichensetzung den Text verständlich gemacht von Günter Pietschmann. Nedlitz 2002. 124 Bl.

Zurück