Wernigerode bewirbt sich um Label für ökologisches Grünflächenmanagement

Mitarbeiter des Bündnisses Kommunen für biologische Vielfalt mit dem Projektteam der Stadt Wernigerode
Bürgerpark, Lustgarten, Christianental, Stadtwald, Blumenuhr, Straßenbaum, Brachfläche - von der Naturvielfalt der Stadt profitieren Bürgerinnen und Bürger, Tourismus, biologische Vielfalt und Klima gleichermaßen. Um die positiven Wirkungen des Stadtgrüns für Mensch und Natur langfristig zu erhalten, bemüht sich die Stadt Wernigerode um ein möglichst ökologisches und gleichzeitig ästhetisch ansprechendes Grünflächenmanagement.

Am Mittwoch, 23. August, besuchte das Projektteam der Geschäftsstelle des Bündnisses "Kommunen für biologische Vielfalt e.V." aus aktuellem Anlass die Stadt Wernigerode. Geschäftsführer Robert Spreter, Projektleiter Tobias Herbst und Projektmanager Martin Rudolph ließen sich vom Team der Stadtverwaltung über die Bewirtschaftung des Wernigeröder Stadtgrüns informieren und schauten sich Referenzflächen an. Sie zeigten sich begeistert beispielsweise vom Grünzug zwischen Charlottenlust und Harzblick. Hier stehen zahlreiche Obstbäume aus dem Projekt Baumpatenschaften. Die Wiesen werden nur ein bis zweimal im Jahr gemäht. So profitieren die Insekten und Vögel nicht nur von der Obstblüte, sondern finden auf der Wiese über die ganze Blühsaison hinweg eine reichhaltige Nahrungsquelle. Bürgerinnen und Bürger wiederum können sich an der Blütenpracht erfreuen, und die bunten Wiesen vor der Haustür vieler Menschen bieten wunderbare Naturerfahrungsmöglichkeiten. Die Experten lobten auch die zahlreichen Beteiligungsmöglichkeiten wie das Projekt "Höfe halten Hof", das "Grüne Klassenzimmer", die Parkpflegeeinsätze und ähnliches. Auch die Blühinseln und -streifen, die durch das Sachgebiet Grünanlagen an vielen Stellen angelegt wurden, fanden große Anerkennung.

Handlungsspielraum sahen die Begutachter dagegen bei der Verwendung gebietsheimischen Saatguts. "Das Regelsaatgut besteht aus Samen vom globalen Markt, die aus der ganzen Welt kommen können. Sie führen zu einer Verarmung der genetischen Vielfalt. Die gebietsheimischen Pflanzen kommen aber am besten mit den Verhältnissen vor Ort klar und bieten beispielsweise den heimischen Wildbienen Nahrung. Hierauf sollte bei der Beschaffung von Saatgut geachtet werden", riet Robert Spreter. Im Straßenbegleitgrün könnten noch mehr Bodendeckerflächen in artenreiche Blühwiesen umgewandelt werden, empfahl Tobias Herbst. Auch ließen sich Zierbeete ökologischer gestalten, indem noch mehr auf Insektennahrung geachtet wird, ohne dass die Ästhetik darunter leidet, so ein weiterer Tipp.

Die Stadt Wernigerode beteiligt sich gemeinsam mit vier weiteren Städten an einem deutschlandweiten Modellprojekt "Stadtgrün - Artenreich und Vielfältig",. Das Projekt wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert. Teil des Modellprojekts ist die Entwicklung eines "Labelingverfahrens", mit dem das vorbildliche Engagement für biologische Vielfalt in Städten und Gemeinden ausgezeichnet werden soll. Dafür entwickelt die Stadt Wernigerode, als eine der fünf ausgewählten Pilotkommunen eine Grünflächenstrategie mit Maßnahmenkatalog. Diese zeigt, in welchen Bereichen Wernigerode bereits im Sinne der Naturvielfalt handelt. Aber auch neue Maßnahmen werden geplant. Bewertet werden die Grünflächenunterhaltung, die Öffentlichkeitsarbeit und Interaktion mit Bürgerinnen und Bürgern sowie die Zielsetzung und Planung des Stadtgrüns. Die Vergabe des Labels soll im März 2018 erfolgen. Es wird in den Kategorien Gold, Silber und Bronze verliehen.

Die Eindrücke des Projektteams wurden am späten Nachmittag mit der lokalen Arbeitsgruppe diskutiert. In diesem beratenden Gremium wirken Vertreterinnen und Vertreter der Stadtratsfraktionen, Vereine und Verbände, aber auch Behörden und Wohnungsgesellschaften mit.
Die Grünflächenstrategie wird in diesem Jahr noch dem Stadtrat vorgelegt. Mögliche Schwerpunkte und Handlungsoptionen werden im nächsten Bau- und Umweltausschuss am Montag, 4. September, vorgestellt.

Hintergrund

Die Stadt Wernigerode beteiligt sich von 2016-2021 am Projekt "Stadtgrün - Artenreich und Vielfältig", gemeinsam mit vier weiteren Pilotkommunen. Diese entwickeln gemeinsam mit der Zivilgesellschaft ein ökologisches Grünflächenmanagement mit konkreten Maßnahmen. Im Rahmen des Projekts soll gezeigt werden: Naturnah gepflegte Grünflächen steigern Lebensqualität, Gesundheit und biologische Vielfalt und zahlen sich langfristig finanziell aus. Das Projekt wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Bildunterschrift: Begutachten Grünflächen der Stadt Wernigerode: Mitarbeiter des Bündnisses Kommunen für biologische Vielfalt mit dem Projektteam der Stadt Wernigerode © Olivia Pious

Zurück