Neujahrsempfang der Stadt Wernigerode 2018

Oberbürgermeister Peter Gaffert begrüßt die Gäste zum Neujahrsempfang
Am 10. Januar 2018 fand im historischen Rathaus von Wernigerode der traditionelle Neujahrsempfang mit vielen Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Kunst, Kultur und Verwaltung statt. Oberbürgermeister Peter Gaffert und Vorsitzender des Stadtrates Uwe-Friedrich Albrecht begrüßten die Gäste auf das Herzlichste. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Happy Groove Orchestra unter der Leitung von Thomas Schicker.
(Fotos: (c) Matthias Bein)

Video auf Youtube: https://youtu.be/-yZtscreUh0


Neujahrsempfang der Stadt Wernigerode 2018


Rede am 10. Januar 2018

Peter Gaffert


Kairos und Chronos befinden sich 200 v. Christus in Athen auf dem Weg zur Akropolis.


"Wohin gehst Du? ", fragt Kairos Chronos. "Ich weiß es nicht, ich laufe einfach weiter," antwortet Chronos.
"Na gut," sagt Kairos, "ich habe mich entschieden, hier abzubiegen- das ist der bessere Weg und ich bin schneller am Ziel!"
"Mir egal", sagt Chronos, "ich laufe weiter geradeaus".

Chronos ist in der griechischen Mythologie der Gott der Zeit, der wir täglich beim Vergehen zusehen. Also unser aller Gott. Chronos wurde zum Wortursprung für den Chronometer, die Uhr. Nahezu jede Minute des Tages wird heute erfasst, verplant, organisiert, manch einer leidet chronisch darunter. Chronos- die Zeit- ist also immer. Sie versetzt uns beim Blick auf die Uhr in einen merkwürdigen Zustand:

Nicht mehr Vergangenheit und noch nicht Zukunft.

Kairos kommt auch aus dem Altgriechischen , bezeichnet aber einen besonderen Moment, den Moment einer Chance, den richtigen Zeitpunkt, um etwas Entscheidendes zu tun, um in die so einfach verrinnende Zeit einzugreifen.
Um es mit einfachen Worten zu sagen- Kairos gilt als das Chronos des 21. Jahrhunderts. So wie Eritrea- nur zum Beispiel- als das Nordkorea Afrikas gilt, oder Uruguay als die Schweiz Südamerikas.

Sind sie noch da? PAUSE


Wir werden uns also heute Abend zum einen mit dem richtigen Zeitpunkt für Entscheidungen und zum anderen mit Vergleichen beschäftigen.

Der richtige Zeitpunkt, meine Damen und Herren, ist nicht immer leicht zu finden, auch Entscheidungen zu treffen ist nicht immer leicht.

Vergleiche sind in der Rhetorik eine gern benutzte Wortfigur, die durch Annäherung oder kontrastive Gegenüberstellung zweier Bilder erzeugt wird, um die Wirksamkeit eines Gedankens zu überhöhen.
So steht es in der wikipedia, die der Brockhaus des Heute ist. Friedrich Brockhaus wiederum, der gefühlte Wikipedius der griechischen Antike, lebte lange in Amsterdam, das ja bekanntlich als das Venedig des Nordens gilt. Später zog er nach Leipzig, das man das Paris des Ostens nennt. Aber das führte jetzt zu weit.

Zunächst möchte ich Sie sehr herzlich begrüßen zum Neujahrsempfang 2018 in unserem schönen Rathaus , in Wernigerode, im Westen des Ostens. Ihnen für Ihr Kommen danken und für die vielen guten Wünsche, die uns erreicht haben in den letzten Wochen.

Ihnen , Ihren Familien, Mitarbeitern und Freunden wünsche ich alles erdenklich Gute für die kommenden 12 Monate.

2017 liegt nun seit knapp zwei Wochen hinter uns und viele von Ihnen - wie auch ich- werden die letzten Tage genutzt haben, ein wenig abzuschalten und vielleicht die vergangenen zwölf Monate Revue passieren zu lassen.

Was ist geblieben vom Reformationsjahr?
Was erwartet uns im NachReformationsjahr?

Mit Roman Herzog und Helmut Kohl hat Deutschland zwei herausragende Politiker verloren. Der eine ging mit dem Satz "durch Deutschland muss ein Ruck gehen" in die Geschichte ein.
Zitat: In Berlin wird Zukunft gestaltet. Nirgendwo sonst in unserem Land entsteht so viel Neues. Hier spürt man: Wir können etwas gestalten, ja sogar etwas verändern. Einen neuen Aufbruch schaffen.
Ich wünsche mir, dass von dieser Berlin-Erfahrung Impulse auf ganz Deutschland ausgehen. Denn was im Laboratorium Berlin nicht gelingt, das wird auch in ganz Deutschland nicht gelingen."

Wenn er recht hätte, würde in Deutschland wahrscheinlich nie wieder ein Flughafen gebaut werden können.

Und so hat Herzog 1997 in seiner Ruck- Rede allerdings einen aus heutiger Sicht nicht so ganz richtigen Ort gewählt- nämlich Berlin. Hätte er seine Rede im Jahr 2017 gehalten, wäre sicher unsere Stadt Wernigerode ein guter gewesen.


Denn bei uns, in Wernigerode, ist 2017 vieles gelungen, da aber Chronos- wie wir gelernt haben- beständig läuft, möchte ich nur ein paar wenige Beispiele dafür benennen.

Auch wenn der Luther- Hype einen bescheidenen Bogen um unsere Stadt gemacht hat, konnten wir wieder mit einer enormen Zunahme der Gästezahlen aufwarten. 6% mehr Übernachtungsgäste gegenüber dem Vorjahr in unserer Stadt, das bedeutet etwa das Dreifache des normalen Wirtschaftswachstums.

Aber auch in der Wirtschaft hat sich vieles getan- die neuen Unternehmen wie Krebs und Aulich, das neue Getriebewerk oder die NOVATEX GmbH im Smatvelde haben ihre Produktion aufgenommen und neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Pharma Wernigerode hat mit einer millionenschweren Investition den Standort Wernigerode zu einem der modernsten ProduktionsStandorte Europas für flüssige Medizinprodukte gemacht. Herzlichen Glückwunsch.
Damit, könnte man sagen, ist Kamillan das neue Hasseröder.

Denn auch unsere Brauerei war das einmal- einer der modernsten und leistungsfähigsten Standorte europaweit. Jeder hat es mitbekommen, dass es hier in den vergangenen Monaten einige Turbulenzen gab. Und es gab Menschen in unserer Stadt, die den Kairos erkannt und sofort gehandelt haben- Wernigeröder wollten die Brauerei kaufen. Das war mutig, auch wenn nicht von Erfolg gekrönt.
Hoffen wir, dass der neue Eigentümer der Brauerei es schnell wieder schafft, dass das zukünftige Hasseröder wieder unser Hasseröder von gestern wird.

Der andere Politiker, Helmut Kohl, bringt noch heute mit seiner Aussage,
"in Sachsen , Thüringen, Mecklenburg- Vorpommern und Sachsen -Anhalt werden blühende Landschaften entstehen"
Menschen in Rage oder in Freude.
Dass 27 Jahre später zwar die eine oder andere ostdeutsche Landschaft sehr wohl erblüht ist, der Rest jedoch zum braunen Saatbett für AfD- Nähe und Demokratieferne verkommen ist, das hätte sich der Einheitskanzler - und viele von uns sicher auch nicht vorstellen können. Wir müssen aufpassen, insbesondere hier im Osten, dass blau nicht das neue braun wird.

Denn, meine Damen und Herren, liebe Gäste, wie ist es zu erklären, dass bei der Bundestagswahl im September in Ostdeutschland über 20 % AfD gewählt haben- in Sachsen wurde sie sogar stärkste Partei- obwohl es doch den meisten Menschen - nach eigenen Aussagen- so gut ging wie nie in den Jahren zuvor?! Es ist dringend Zeit für Kairos- den richtigen Moment für Entscheidungen, für Veränderungen.

Das muss daher eine der vordringlichsten Aufgaben einer neuen Bundesregierung werden, die Ursachen für die gefühlte Unzufriedenheit vieler zu analysieren. Wenn es ein Projekt gibt, bei dem die so verschlissene, nun aber wieder zu erwartende GROKO zeigen könnte,was Politik vermag, dann wäre das eine Art neuer Ostpolitik, diesmal allerdings innerdeutsch.

Wir betreiben seit nunmehr drei Jahren gemeinsam mit vielen Städten unserer Region eine Art neuer Harz- Politik in der Ein- Harz- Initiative. Die tut dem ganzen Harz gut.

"Entscheidend ist, was hinten rauskommt", so Altkanzler Kohl. Mehr als das Wort des Jahreswar es dann leider nicht, was herauskam bei den Sondierungen über eine Schwarz-Gelb- Grüne Regierung.

Jamaika- Aushat die Gesellschaft für Deutsche Sprache zu diesem erklärt. Das Winken von Angi, Horst, Christian und Katrin vom Balkon war ein bisschen wenig für ein Land wie Deutschland. Hoffen wir, dass Angi , Horst und Martin es jetzt besser machen.

Jamaika, meine Damen und Herren, Sie erinnern sich? Fünf Wochen im Herbst hat dieser Karibik- Staat unser Bewusstsein benebelt, wie es der stärkste Jamaika- Rum nicht hätte schaffen können.
Und manch einer, der mit dieser Farb- Koalitions- Metapher nicht allzu viel anfangen konnte, hat sich schon an weißen Stränden liegen sehen -Deutschland war gefühlt das neue Jamaika.

Und so geht es vielen in unserem Land mit Kenia, jedoch gibt es neben dem ostafrikanischen Staat tatsächlich eine Koalition dieses Namens, der sich ebenfalls ableitet von der Farbmischung der Flagge.
Kenia. In Sachsen- Anhalt leider bislang ohne den Apendix Aus.
Eine Vision, ein gemeinsamer Zukunftsplan war bislang von dieser Regierung nicht zu vernehmen. Vielmehr hören wir in unserem Land seit fast zwei Jahren nahezu täglich Meldungen über die Anzahl der durch Wölfe gerissenen Schafe, über Rettungsaktionen für Hamster oder über den schier unermesslichen Wert eines 400 m2 großen Stückes Fichtenwald im Harz, dessen Stämme in feuchtem Boden stecken.

Der Kairos wurde offensichtlich verpasst. Und so gehen die wirklich wichtigen und guten Meldungen fast unter- geringe Arbeitslosigkeit, bessere Finanzausstattung der Kommunen und Hochschulen, Rückgang des Bevölkerungsverlustes, um nur einige zu nennen.
Irgendwas läuft schief in diesem Land.

An den Hamstern scheiterte eine Großinvestition im Südharz, und an den 400 m2 Moorwald - zum Vergleich- ein Fußballfeld hat eine Größe von 4500 m²- droht eine große touristische Investition in Schierke zu scheitern, obwohl in unmittelbarer Nähe Millionen von m² Wald vom Borkenkäfer oder vom Harvester aufgefressen werden.

Doch zurück nach Wernigerode, der blühenden Landschaft, wo es fast alles gibt. Seit einigen Wochen sogar einen Sterne- Koch. Herzlichen Glückwunsch- Robin Pietsch vom Zeitwerk.
Fast alles. Außer Luther. Und große Flüsse. Die aber hatten wir 2017 kurzzeitig in der Stadt und in Silstedt- während des Jahrhunderthochwassers vom 25.-27. Juli, das bedauerlicherweise sogar ein Todesopfer forderte. Die Holtemme wurde quasi über Nacht zur Elbe des Harzes. Für viele von uns, viele Wernigeröder war dieses Hochwasser sicher dasprägende, unvergessliche Ereignis des vergangenen Jahres.
Ich möchte noch einmal all den freiwilligen und hauptamtlichen Helfern danken, die uns unterstützt haben, schlimmeres von der Stadt und den Menschen fernzuhalten.
Die Stadt stand zusammen wie selten zuvor - danke an Sie alle. Sogar die Bundeswehr war mit großen Transporthubschraubern zur Stelle, die sonst am Hindukusch zum Einsatz kommen, und das beschauliche Silstedt wurde somit für einige Stunden das Kundus am Brocken.

Sie alle haben, um im Bild zu bleiben, in diesen Sommertagen den Kairos erkannt und gehandelt. Nicht erst seit diesen Tagen arbeiten wir intensiv an der Verbesserung des Hochwasserschutzes, sollten aber auch nicht in Aktionismus verfallen. Ich danke dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz für die spontane Hilfe und erwarte, dass sich in dieses komplexe Projekt auch die Nationalparkverwaltung einbringt. Durch die großflächig abgestorbenen alten Wälder im Hochharz ist eine der wichtigsten Waldfunktionen, nämlich die des Schutzes - und der Wasserrückhaltung , zumindest für eine Generation, stark gestört. Hier brauchen wir Unterstützung. Die jüngsten Hochwasserereignisse der vergangenen Tage in Deutschland zeigen, dass diese Unwetterereignisse zukünftig keine Ausnahmen mehr sein werden.

Es gibt sie noch, meine Damen und Herren, die Telekom.

Und nach jahrelangem Hinhalten hat sie Wort gehalten.
Seit November können fast 20.000 Haushalte im Vorwahlbereich 03943, wie es im Amtsdeutsch heißt, im schnellen Internet surfen. Wernigerode 4.0 steht nichts mehr im Wege.

Und natürlich haben wir auch wieder tolle Veranstaltungen erlebt in unserer kleinen Stadt und unseren Ortsteilen, konnten hochrangige Gäste begrüßen,
verdienstvolle Mitbürger wie H. Rautenbach, Jürgen Sander oder Frau Hirt haben sich in das Goldene Buch der Stadt eingetragen. Und WR war im Mai für einige Stunden sogar Sitz des Landeskabinetts, quasi das Magdeburg, die Landeshauptstadt der Herzen.

Ob Sportlerehrung, , Brahms-Chorfestival, Rathausfest, Schlossfestspiele, Festival Fantasia, mdr HARZOPENAIR, Oktoberfest, chocolArt oder Weihnachtsmarkt- wir hatten auch 2017 wieder für jeden Geschmack etwas im Angebot. Sogar fairgehandelte Schokolade wurde kreiert und Wernigerode als Fair Trade Town ausgezeichnet. Zum Weinfest wird Wernigerode alljährlich für drei Tage zur Pfalz des Nordens. 2017 war mein Amtskollege Hans Georg Löffler zum letzten Male als Oberbürgermeister unserer Partnerstadt zu Gast.
Alles Gute im Ruhestand, lieber Hans- Georg und danke für Dein Engagement für unsere Städtepartnerschaft.

Jubiläen wurden begangen, die nicht so alltäglich sind.

Der "Weiße Hirsch" das älteste Familienhotel, wurde 300, Glückwunsch, Familie Wieland,das Cafe Wien 65- herzlichen Glückwunsch, Frau Siegemund,
der Bürgerpark wurde 10- ich danke Marlies Ameling, die nach 8 Jahren Geschäftsführung ebenfalls in den Ruhestand ging.

Zum 40. Male bereits fand der weit über die Grenzen unserer Stadt beliebte Harzgebirgslauf statt. Mein besonderer Dank gilt hier den unzähligen Helfern, die mit den Vereinsmitgliedern tausenden Sportlern alljährlich ein unvergessliches Lauferlebnis ermöglichen.

Besonders spannend war der Mai. Erst der Gewinn der Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften durch unsere jungen Damen der Red Devils in Bielefeld. Herzlichen Glückwunsch. Und dann der Wandertag des Ministerpräsidenten in den Harzwald, eine wirklich bemerkenswerte Expedition ins Moorreich. Seither werden stets neue Gutachten und Trassen für die so sehnsüchtig erwartete Seilbahn in Schierke erarbeitet-

Lieber Herr Haseloff- hier ist Kairos gefragt, nicht Chronos.

Danke an Herrn Bürger, der sich dennoch nach wie vor nicht beirren lässt und an seinem Projekt festhält.
Seine Geschäftspartner, ich begrüße Frank Wodsack von der Lüder_ Gruppe, und er- sie haben den Kairos erkannt vor zwei Jahren, haben Mut und Entscheidungskraft bewiesen und in unglaublich kurzer Bauzeit das Harzresort SCHIERKE auf dem ehemaligen Heine Gelände errichtet, das wir kurz vor Weihnachten einweihen konnten. Damit kommt Schierke dem St. Moritz des Nordens ein deutliches Stück näher.

Und gebaut haben die Wernigeröder natürlich auch- und nicht so knapp. Millionen € wurden in Häuser, Straßen und Infrastruktur investiert. Als Beispiele städtischer Investitionen möchte ich den Neubau der Brücke im oberen Hasserode zur Werbat, die Beleuchtung der Schlossstraße, die Sanierung der Zwölfmorgentalschanze oder den Ausbau der Friedensstraße in Benzingerode nennen. Aber auch im privaten Bau tut sich viel in unserer Stadt, Ausbau von Heidemühle und Harburg, Neubau von so dringend benötigten Wohnungen Am langen Schlage durch die Fa. Stratie und Fertigstellung großer Teile des Argenta -Wohnparks oder der Neubau des Wohn- Geschäftshauses Hanisch in der unteren Breiten Straße.
Apropos- untere Breite Straße- eigentlich ist sie gar keine breite Straße.
Denn sie ist viel zu schmal für all das, was drauf passieren soll und eigentlich zu klein für die große Aufmerksamkeit, die ihr im Jahre 2017 zuteil wurde.
Sie wird in diesem Jahr weiter ausgebaut werden und unser Stadteingang damit weiter an Attraktivität gewinnen. Allen alles recht zu machen geht aber gerade dort nicht, und manchmal wünschte ich mir ein wenig mehr Sachlichkeit in der Diskussion.

Und natürlich Schierke. Was haben wir da nicht alles gebaut in den vergangnen Jahren. Es ist wahrlich, mit enormer Landesunterstützung- DANK, das Neue Schierke entstanden, von dem ich Ihnen in den vergangenen Jahren hier an gleicher Stelle immer wieder berichtet habe. Kaum jemand hat wohl daran geglaubt, dass es in der heutigen Zeit gelingen kann, ein sterbendes Dorf zum Leben zu erwecken und attraktiv für Gäste und Investoren zu machen. Viele von Ihnen haben daran einen Anteil. Einige allerdings wollen oder können die Chancen und den Zugewinn für unsere Stadt, für unsere Region nicht sehen. Sie predigen stattdessen seit Jahren gebetsmühlenartig Risiken, Schwierigkeiten, Kosten. Dabei haben wir weder in Wernigerode noch in Schierke oder überhaupt im christlichen Abendland Gebetsmühlen.
Gebetsmühlen gibt es in Tibet, und das ist natürlich nicht das St. Moritz des Nordens, sondern das Dach der Welt.

Damit wären wir beim Dach, meine Damen und Herren. Wir haben ein Dach gebaut, nicht über die Welt , sondern über eine historische Eisbahn.
Wie toll es doch aussieht, und wie gern doch die vielen Gäste, und mindestens genauso viele Schierker und Wernigeröder, seit 3 Wochen darunter Eislaufen. Es ist wirklich eine Freude, das mit anzusehen.
Daran darf man sich ruhig einmal erfreuen, und auch die Dauer- Pessimisten sollten nicht chronisch darauf warten, dass etwas nicht klappt. Das geht nämlich denen, die dafür hart gearbeitet haben in den vergangenen Jahren, mächtig auf den Zeiger.
Denen, die geplant, gebaut und uns auf dem wahrlich steinigen Weg dorthin unterstützt haben, möchte ich sehr herzlich danken- der Mehrheit des Stadtrates hier ganz besonders.

Für die geleistete Arbeit , insbesondere nach der Eröffnung bis zum heutigen Tage, möchte ich der WTG, dem Team Schierke und allen Mitstreitern ein herzliches Dankeschön sagen. Ihr ermöglicht tausenden Gästen ein tolles Erlebnis ...

Und so ist das alte Schierke schon heute kaum wieder zu erkennen, und doch ist es noch immer von gleicher Schönheit und Würde wie vor 100 Jahren. Das St. Moritz des Nordens eben.

Ich könnte fortfahren mit einer Vielzahl von Ereignissen, Projekten, Erfolgsgeschichten, die dank Ihrer Unterstützung zustande kamen.

Unsere Stadt hat sich auch 2017 gut entwickelt, wir haben sie gemeinsam weiter fit gemacht für die Zukunft. Einen ganz wichtigen Beitrag dazu leisteten auch im vergangenen Jahr wieder unsere städtischen Unternehmen. Wir haben die Chronos genutzt und den Kairos gefunden, wenn es nötig war.
Auch wenn nicht alles gelang, was wir uns vorgenommen haben. Schmerzlich habe ich die Ablehnung unserer Zukunftsstrategie im Stadtrat empfunden- vielleicht lohnt ein gemeinsamer neuer Versuch.

Denn, meine Damen und Herren, jedesgut geführte Unternehmen braucht eine Langfriststrategie- so auch unsere Stadt. Die Ausgangssituation ist hervorragend, das zeigen nicht nur unser Stadtbild oder die Wirtschaftskraft von Wernigerode, sondern das zeigt auch die im Herbst vorgestellte Eröffnungsbilanz. Hier kann man gern Hermann Löns zitieren, der 1911 über unsere Stadt schrieb: alle Städte, den Harz hinauf, den Harz hinab, haben ihre Schätze und Kostbarkeiten, keine aber ist so reich und so bunt wie Wernigerode. So soll es bleiben.

11 Tage ist das neue Jahr nun bereits alt. Noch wünschen wir uns alle gegenseitig ein gutes Neues. Was wird es uns bringen? Jeder von Ihnen hat sicher seine eignen Vorstellungen. Voraussagen zu treffen ist schwer, das wissen wir spätestens, seit nahezu alle Demoskopen nahezu jeden Wahlausgang falsch vorhersagten.
Das wissen wir, seit nahezu alle Ökonomen dieser Welt die Finanzkrise 2008 gar nicht und die Prognosen zum Wirtschaftswachstum 2017 völlig falsch vorhersagten.

Die einzige Voraussage, die 2018 mit Sicherheit Bestand haben wird : es gibt kein Bleigießen mehr an Silvester. Die EU hat es verboten. Ich hoffe, dass unsere Seilbahn nicht zum Bleigießen des Harzes wird.

Ich werde also keine Prognose abgeben, aber eines steht fest- das Investitionstempo der vergangenen Jahre werden wir nicht halten, und sicher tut eine kleine Verschnaufpause allen gut, nicht nur den Mitarbeitern meiner Verwaltung. danke

Aber einiges vorgenommen haben wir uns dennoch für 2018.
Als erstes steht die Verabschiedung des städtischen Haushaltes auf der Agenda. Wir haben in all den zurückliegenden Jahren sehr solide gewirtschaftet, überdurchschnittlich viel investiert und den Bürgern und Gästen eine hohe Lebensqualität geboten .
Haben Wernigerode, auch mit Ihrem Engagement, zu einer der schönsten und lebenswertesten Städte des Landes gemacht. Das soll auch so bleiben- und wir werden weiter daran arbeiten. Qualität aber hat ihren Preis- wie überall.

Und so steht die Frage, ob es uns gemeinsam mit dem Stadtrat schnell gelingt, einen genehmigungsfähigen Haushalt aufzustellen, der uns auch 2018 in die Lage versetzt, Zukunft zu gestalten.

Endlich wollen wir gemeinsam mit dem Land den 3. Bauabschnitt der L100, der Friedrichstrasse, durch Hasserode beginnen. Das wird allen Anwohnern, Studenten und Gästen, aber auch den Baufirmen viel Geduld abfordern- wir alle freuen uns schon jetzt auf die sachkundigen Kommentare und Expertenberichte der Medien beim ersten Stau.

Auch, aber nichtnur deshalb, hat mich das Ergebnis einer jüngst veröffentlichten Forsa Studie nicht überrascht. Demnach ist das Vertrauen der Menschen in Presse und Medien im vergangenen Jahr um 4 Prozentpunkte gesunken und nur noch 27 % der Ostdeutschen haben Vertrauen in die Presse. Ich kann das verstehen. Bei der Berichterstattung über Wildschweine in der Stadt beispielsweise konnte man ja fast glauben, Wernigerode sei die Serengeti Europas. Solch Journalismus lässt wahrscheinlich mehr Leser vor derZeitung weglaufen als vorWildschweinen.

Wir wollen endlich die Francke Schule sanieren, die Kita in Reddeber bauen und eine Lösung für die Feuerwehr in Minsleben steht auf der Agenda. Die in Schierke wird gebaut.

Dank der Zusage von Fördermitteln vom Land werden wir auch die Sanierung des Kindergartens in Schierke fortsetzen und hoffentlich abschließen können. Mit einem städtischen Eigenanteil von insgesamt ca. 600 T€ haben wir dann wirklich etwas Gutes getan für unsere Zukunft, dort, wo gerade Zukunft entsteht. Und wir haben ein ortsprägendes historisches Gebäude gerettet.

In wenigen Tagen werden wir in unserer vietnamesischen Partnerstadt Hoi An, die im Herbst des vergangenen Jahres von einer sintflutartigen Hochwasserkatastrophe heimgesucht wurde, eine mit Mitteln des Bundes und der Stadt Wernigerode finanzierte Photovoltaikanlage in Betrieb nehmen. Wir werden damit den Klimawandel nicht aufhalten, aber einen kleinen Beitrag leisten. Ich möchte all denen danken, die gerade diesen internationalen Kontakt mit soviel Engagement begleiten. Das ist wahrlich nicht selbstverständlich. Aber insbesondere auch vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung nach der Entführung eines vietnamesischen Bürgers ein wichtiges Signal.

Wir freuen uns auch 2018 wieder auf zahlreiche schöne Kulturveranstaltungen- und auf die langersehnte Eröffnung der VOLKSLICHTSPIELE. Danke, Kirsten Fichtner und der GWW, dass Ihr dieses tolle Projekt realisiert.

Abschließend noch ein Wort zum Weihnachtsmarkt.

Da wir inzwischen mehr Weihnachtsmarktexperten in unserer Stadt haben als es Adventstage gibt, sollte es doch auch 2018 wieder gelingen, unseren Weihnachtsmarkt noch ein bisschen schöner zu machen.
Aber - er ist ein wichtiger Imageträger für unsere Stadt und sollte nicht zum Experimentierfeld verkommen. Und besser wäre es, die Wünsche im vorweihnachtlichen Chorgesang abgestimmt vorzutragen als mit andauernd wechselnder Solostimme.

So, meine Damen und Herren, liebe Gäste, meine Chronos für den heutigen Tag ist abgelaufen- ich hoffe, ich habe den richtigen Kairos für das Finale noch nicht verpasst.

Lassen sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass unsere Stadt auch 2018 weiter so blüht, wächst und gedeiht und dass sich eines nicht mehr allzu  fernen Tages  irgendeine Stadt in Bayern, Hessen oder Rheinland Pfalz ganz stolz als das Wernigerode des Westens bezeichnen wird.

Und so wünsche ich Ihnen, dass Sie am Ende des nunmehr vor uns liegenden Jahres sagen können: Ja, das Jahr 2018 war wirklich ein gutes Jahr, eigentlich war es wie 2017, nur ohne Luther und ohne Hochwasser.

Danke

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