Land unter - Wernigeröder kämpften gegen das Hochwasser

Sandsäcke werden auf den Straßen ausgelegt
Tief "Alfred" sorgte in vielen Regionen Deutschlands Ende Juli für einen Ausnahmezustand. Der anhaltende Dauerregen hatte die Wasserstände der Flüsse und Bäche besonders in der Harzregion dramatisch ansteigen lassen. Auch in Wernigerode und den Ortsteilen haben die Holtemme und der Zillierbach am 25. und 27. Juli für überflutete Straßen, und vollgelaufene Häuser gesorgt.
Mit dem starken Hochwasser hat Wernigerode in der letzten Woche eine bisher unbekannte Dimension erlebt. In der Bilanz bleiben zahlreiche Schäden an Straßen, Wegen, Brücken und Gebäuden. Vor allem die Ortsteile Hasserode, Nöschenrode und das Dorf Silstedt sind stark von den Hochwasserschäden betroffen.

Hasserode:

Durch den anhaltenden Regen schoss das Wasser in kürzester Zeit von den Bergen in die Holtemme. Bereits Dienstag Nachmittag kämpften Anwohner, Feuerwehr und Bauhof in der Kruskastraße und im Bereich Auerhahn mit Hochwasser. Sändsäcke wurden verteilt und die Brücke die ganze Nacht hindurch gesichert.
Der Pegelstand an der Steinernen Renne stieg am Mittwoch Morgen von normalerweise 24 Zentimeter auf 1,87 Meter an. Im Bereich der Firma Werbat staute sich das Wasser an einer Brückenbaustelle so stark, dass die Wassermassen die Straße überfluteten und sich die Bielsteinchaussee in einen Fluss verwandelte.

Am Mittwochvormittag wurde die Straße »Am Auerhahn« komplett überflutet, sodass die gleichnamige Kinderkrippe aus Sicherheitsgründen geschlossen werden musste. Eine Ausweichmöglichkeit konnte kurzfristig in der Kita Regenbogen organisiert werden.

Nöschenrode:

Hier herrschte ebenfalls am Mittwoch Morgen helle Aufregung. Die Stützmauer »An der Promenade« zum Zillierbach war undicht, wodurch das Wasser ungehindert Richtung Marktstraße, Marktplatz und Burgstraße floss. Außerdem drängten die Wassermassen aus dem Zillierbach auf Höhe des Theobaldifriedhofs über das Ufer und sorgen für Überschwemmung. Ein schnell aufgezogener Damm aus Bauschutt, den die Bauarbeiter der Firma Strabag (die eigentlich mit Tiefbauarbeiten an der Nöschenröder Straße beschäftigt waren) aufschütteten, bannte die Gefahr und bewahrte die Altstadt vor größeren Schäden.
Bis ca. 15 Uhr fürchteten sich alle Wernigeröder vor dem Überlaufen der Zilliertalsperre. Zum Glück konnte am Nachmittag vorsichtige Entwarnung gegeben werden. Der Regen hatte nachgelassen, die Pegelstände sanken. Der Überlauf aus der bis zur Oberkannte gefüllten Talsperre war zum Glück so marginal, so dass die gefürchtete Flut für Nöschenrode und die Altstadt ausblieb.

Innenstadt: 

In der Stadtverwaltung wurde gegen 10 Uhr unter Leitung von Oberbürgermeister Peter Gaffert ein Krisenstab einberufen, der sich alle zwei Stunden traf und die Lage bewertete. Gleichzeitig machten sich zahlreiche Mitarbeiter der Stadtverwaltung beim Befüllen von Sandsäcken im Bauhof Wernigerode nützlich. Hierfür wurden zuvor 10.000 Sandsäcke vom Katastrophen-Schutz-Zentrum in Oschersleben abgeholt. Über den Krisenstab wurden zudem Fachkräfte von der Feuerwehr angefordert. Allein aus Anhalt-Bitterfeld waren ca. 120 Feuerwehrleute vor Ort, die weitere 140.000 Sandsäcke im Gepäck hatten. Ab 12 Uhr wurden via Radio und soziale Medien viele fleißige Helfer gesucht, denn die vielen leeren Sandsäcke mussten noch befüllt werden.

Das Grundwasser machte auch den Häusern in der Innenstadt zu schaffen. So musste zum Beispiel durch Stromausfall auch die Kinder des Hort Diesterweg für einen Tag ihr Stammhaus verlassen. Kurz entschlossen zogen die Betreuer und Kinder am späten Nachmittag in den Hort Harzblick mit ein.
Am Mittwoch Nachmittag wurde die Wernigeröder Altstadt in den Bereichen Marktplatz, Marktstraße, obere Breite Straße und Burgstraße mit Sandsäcken gesichert.

Silstedt: 

Hier spitzte sich die Lage massiv zu. An der Neuen Mühle zwischen Silstedt und Minsleben war bereits am Mittwoch Morgen ein Damm gebrochen, wodurch der Ortsteil in vielen Bereichen unter Wasser gesetzt wurde. Die Bewohner mussten zum Teil in den überfluteten Straßen mit Schlauchbooten aus ihren Häusern geholt werden. Gegen 17 Uhr konnte aber dank sinkender Pegelstände Entwarnung für die im Raum schwebende Zwangsevakuierung gegeben werden.
Nachdem die Nacht in Wernigerode zum Glück ruhig verlief, kamen am Donnerstag Morgen aus Silstedt schlechte Nachrichten. Nur wenige Meter vor dem Ort drohte eine Gasleitung zu brechen. Sofort wurde vom städtischen Krisenstabh Unterstützung durch die Bundeswehr angefordert. Zwei Bundeswehr-Hubschrauber fixierten im Tagesverlauf mit 50 Bigbags die freigespülte Gasleitung und fixierten das Ufer der Holtemme.

Rückblick

Während der Flut vom 25. bis 27. Juli bleiben in der Bilanz zahlreiche Schäden an Straßen, Wegen, Brücken und Gebäuden. 26 Straßen in der Kernstadt sind in Mitleidenschaft gezogen wurden. In Silstedt sind sechs Straßen, in Reddebar eine Straße, in Minsleben drei Straßen und in Benzigerode weitere fünf Straßen überflutet wurden. Circa 25.000 Sandsäcke wurden verbraucht und 50 Bigpacks.

Infos über Hochwasserschäden

Für sämtliche Hochwassergeschädigten Bürger ist in Wernigerode eine Hochwasserschadensstelle eingerichtet wurden. Unter hochwasser@wernigerode.de oder 03943-654240 erhält man aktuelle Informationen über mögliche Hilfeleistungen des Landkreises Harz oder vom Land Sachsen-Anhalt
Aufgrund der hohen Hilfsbereitschaft hat die Stadt Wernigerode für hochwassergeschädigte Bürger einen Bürgerfond eingerichtet. Bis zum 14. August sind 5405 € Spendengelder zusammen gekommen. Wofür das Geld verwendet wird, soll Ende August entschieden werden. Wer noch spenden möchte, hat unter IBAN DE04 8105 2000 0160 8800 41 die Möglichkeit. Als Zahlungsgrund muss bitte "Hochwasser" angeben werden.

Dank an alle Helfer

Oberbürgermeister Peter Gaffert bedankt sich stellvertretend für alle Einwohner der Stadt Wernigerode bei allen fleißigen Helfern, den vielen Firmen und Spendern, die die Einsatzkräfte und die hochwassergeschädigten Bewohner der Stadt so tatkräftig unterstützt haben. Ohne die schnelle Hilfe wäre die Schadensbilanz sicherlich um einiges höher ausgefallen. Also ALLEN EIN HERZLICHES DANKESCHÖN!

Fotos (c) Matthias Bein

Zurück