Das Wernigeröder Stadtfeld beherbergt rund 4000 Menschen, damit wohnt jeder neunte Einwohner der bunten Stadt in diesem ab 1980 erbauten Stadtteil. Günstige Mieten und ein breites Infrastrukturangebot machen das Stadtfeld zum beliebten Wohngebiet. Um der hohen Arbeitslosigkeit unter den Anwohnern entgegen zu wirken, steht den rund 650 Betroffenen seit Anfang Januar ein neues Angebot der KoBa zur Verfügung: Mitarbeiter beraten direkt vor Ort zu Vermittlungschancen, Weiterbildung und offenen Stellenangeboten.
Mit dem zusätzlichen Betreuungsangebot reagiert die KoBa auf Anfragen von Bürgern und Prognosen der Stadtentwicklung. Durch die Angliederung an das seit Juli 2011 bestehende Quartiersmanagement sollen Synergieeffekte und Kontakte zu den im Wohngebiet angesiedelten Akteuren genutzt werden. In den Räumen des Stadtfeldbüros im Ärztehaus in der Ernst-Pörner-Straße 6 sind seit Anfang des Jahres drei Mitarbeiterinnen der KoBa erreichbar. Sie stehen den Stadtfeldern nun dauerhaft als Ansprechpartner in allen Fragen der Arbeitsvermittlung zur Verfügung. Arbeitssuchende können sich zu den regulären Sprechzeiten der KoBa direkt im Wohngebiet über aktuelle Stellenausschreibungen, Fördermöglichkeiten und Qualifizierungsangebote informieren.
„Mehr als 25% aller auf Hilfeleistungen der KoBa angewiesenen Bewohner des Altlandkreises Wernigerode leben im Stadtfeld. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, uns direkt vor Ort mit einzubringen“ begründet Dirk Michelmann, Eigenbetriebsleiter der KoBa, die Modellinitiative. Auch Quartiersmanager Uwe Albrecht begrüßt die zukünftige Kooperation. Er führt an, dass im Stadtfeld prozentual die meisten Jugendlichen der Stadt leben – viele davon im SGB II-Bezug. Albrecht hofft, gemeinsam mit der KoBa verschiedene Projekte anschieben zu können, die die Lage einkommensschwacher Familien im Wohngebiet verbessern.
Dafür geht die KoBa auch in der Verteilung der Betreuungszuständigkeiten neue Wege. Während die Einteilung zu den einzelnen Mitarbeitern sonst anhand des Alters der Hilfebedürftigen erfolgt, kümmern sich die Fallmanager im Stadtfeld jeweils um die Bewohner bestimmter Straßenzüge. So haben alle betroffenen Mitglieder einer Familie denselben Ansprechpartner. Auf der anderen Seite können die Fallmanager die jeweilige Familiensituation besser in die Vermittlungsbemühungen einbeziehen und so für die Betroffenen passende Lösungen anbieten.
Insbesondere Familien, in denen beide Elternteile arbeitslos sind, stehen im Fokus verstärkter Integrationsbemühungen. Ab Mai sollen sie zusätzlich durch ein gesteigertes Angebot aufsuchender Sozialarbeit unterstützt werden. Im Rahmen der regionalen Beschäftigungsinitiative sollen sogenannte Familiencoaches in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt helfen, Probleme anzugehen, die der Aufnahme einer Tätigkeit im Wege stehen. Ziel ist es, wenigstens ein Familienmitglied in Arbeit zu bringen, um so neben der finanziellen Verbesserung auch das Selbstwertgefühl und die Vorbildfunktion der Eltern zu erhöhen.
Um realer oder subjektiv empfundener Chancen- und Perspektivlosigkeit gerade junger Stadtfeldbewohner entgegen zu wirken, bietet künftig auch die Kompetenzagentur Harz im Stadtfeldbüro regelmäßige Sprechzeiten an. Sozialpädagogische Fachkräfte beraten Jugendliche und Eltern bei Problemen wie Schulverweigerung oder dem Übergang von der Schule in einen Beruf. In thematische Elternabenden oder bedarfsorientierten Gruppenangeboten beispielsweise für junge Mütter wollen die Mitarbeiter über Problemursachen und mögliche Lösungen informieren. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugendtreff „Center“ soll die Jugendlichen gezielt ansprechen und „kurze Wege“ zu passgenauen und zielorientierten Hilfsangeboten für die berufliche und soziale Integration eröffnen.
Insgesamt ist eine enge Vernetzung aller Akteure mit den im Wohngebiet angesiedelten Vereinen, Trägern und Institutionen angestrebt, um Chancen zu schaffen und die Lebensqualität im Stadtfeld zu verbessern. Hat das Modellprojekt Erfolg, will die KoBa ähnliche Betreuungs-Konzepte noch in diesem Jahr auch in Halberstadt, Quedlinburg und der Stadt Falkenstein umsetzen.
Bildunterschrift:
v.l.n.r: Stefanie Streidt, Christiane Genschmar, Winnie Kutzner
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