Eine Lesung für Freunde des schwarzen Humors am 24. April 2018

Stephan Schulz / Porträt des Autors © Manja Liebrucks
Stephan Schulz liest aus seinem Buch "Bück Dich, Genosse"

Am 24. April veranstaltet die Stadtbibliothek Wernigerode die nächste Autorenlesung in der Remise. Stephan Schulz liest aus seinem auf eigenen Kindheitserinnerungen aufbauenden Buch "Bück Dich, Genosse. Rabenschwarze Geschichten eines Provinzlers". Beginn ist um 18.30 Uhr in der Remise (Marktstraße 1), Einlass ab 18 Uhr. Tickets zum Preis von 3 Euro sind ab sofort im Vorverkauf in der Stadtbibliothek am Klint erhältlich, sowie an der Abendkasse.

Seltsame Dinge geschehen: Lila Kühe werden gebügelt, Soldaten gehen mit Handgranaten Fische fangen, in einem Lehrlingswohnheim werden Gläser gerückt und Tote zum Leben erweckt, ein Haus wechselt im Tausch gegen ein Schaf den Besitzer. Das ist doch alles absurd? Na sicher! Und wenn es nicht so gewesen wäre, dann hätte es so sein müssen! Die Geschichten von Stephan Schulz stecken voller Überraschungen und funkeln vor rabenschwarzem Witz. Er erzählt über seine Kindheit und Jugend in der DDR aus der einzigen ihm möglichen Perspektive - der Kleinstadtperspektive.

Stephan Schulz (Jahrgang 1972) erinnert sich mit viel schwarzem Humor an seine Kindheit und Jugend, die er in Burg bei Magdeburg - also in der tiefsten DDR-Provinz - verbrachte: "Aber die Stadt lebte nicht nur vom Knäckebrot allein. Die Einheimischen walzten auch Bleche, bauten Getränkemaschinen, dienten in der NVA-Kaserne 'Waldfrieden' und schusterten in der Schuhfabrik 'Roter Stern' robuste Pantoffeln und Hackenschuhe für die westdeutsche Unternehmerfamilie Salamander zusammen. Die halbe Stadt, einschließlich meiner halben Verwandtschaft, arbeitete in der Schuhfabrik zum Wohle des Sozialismus und zum Wohle des Kapitalismus". Es gelingt dem Autor hervorragend, aus mancherlei Phrasen lustige Pointen zu ziehen und dabei weder in Denunziation noch in 'Ostalgie' abzugleiten.

Ein kleinerer Teil der 48 Kurzgeschichten handelt auch nach der Wende bzw. in heutiger Zeit - beispielsweise "Rotmilan und Adler", wo in Gestalt einer Fabel einige westdeutsche Vögel voller Stolz darüber berichten, wie sie nach der Wende den Burger Luftraum unter sich aufgeteilt hatten: " 'Wer soll uns schon verpfeifen?' lallte Heinz, der Rotmilan. 'Bei uns gilt das eherne Gesetz: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Das ist bei euch Menschen doch auch so!' Ich protestierte energisch: 'Wir haben nach der deutschen Einheit reinen Tisch gemacht. Betrüger hatten keine Chance. Und wer doch korrupt wurde, der kam ins Gefängnis.' Ich hatte kaum ausgesprochen, da lachten sich die drei Vögel tot".
Das im EULENSPIEGEL-Verlag erschienene Buch unterhält unbeschwert und lädt angesichts der durchaus spürbaren Wirkungen der Vergangenheit auf das Hier und Heute auch zum Nachdenken ein.

BU: Porträt des Autors © Manja Liebrucks

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