Der Höchste im Norden

Winterlicher Brockengipfel (c) Matthias Bein

Knapp 15 Kilometer, 900 Höhenmeter und kaum 4 Stunden Wanderzeit liegen zwischen Wernigerode und der Harzer Bergkuppe, die seit 2009 wieder zum Territorium Wernigerodes gehört: dem Brocken.

Der Brocken ist ein Ort extremer Wetterbedingungen. Aufgrund der exponierten Lage im Norden Deutschlands liegt sein Gipfel oberhalb der natürlichen Waldgrenze. Das Klima auf dem Brocken entspricht aufgrund des kurzen Sommers und sehr langen Winters, der vielen Monate mit geschlossener Schneedecke, der schweren Stürme und niedrigen Temperaturen selbst im Sommer einer alpinen Lage in 1.600-2.200 m Höhe beziehungsweise dem Klima Islands.

Aufgrund des markanten Höhenunterschieds gegenüber dem Umland weist der Brocken als niederschlagsreichster Punkt im nördlichen Mitteleuropa Niederschläge im Jahresdurchschnitt (1961-1990) von 1814 Millimetern auf. Das Jahrestemperaturmittel beträgt 2,9 °C. Die durchschnittliche Zahl der Nebeltage auf dem Gipfel beträgt 306, die durchschnittliche Zahl der Tage mit Schneedecke beträgt 176. Das Brockenklima ist durch extreme Wettersituationen und überraschende Wetterwechsel meteorologisch geprägt. Ab dem Jahr 1836 gab es durch den Brockenwirt einen ständigen Beobachter der Wetterlagen. Seit Herbst 1895 gibt es auf dem Brocken eine eigene Wetterwarte.

Der Brocken und sein Umfeld, das Brockenmassiv, besteht aus geologischer Sicht vorwiegend aus Granit (dem so genannten Brockengranit), einem plutonischen Gestein. Die Granitplutone des Harzes, der Brocken-, der Ramberg- und der Oker-Pluton, entstanden gegen Ende der Harz-Gebirgsbildung im Oberkarbon vor rund 300 Millionen Jahren.

Wernigerode war und ist eine der populärsten Ausgangsstationen für die Brockenbesichtigung. Im Jahr 1989 kommt erstmals wieder ein regulär eingesetzter Zug der neu errichteten Harzquer- und Brockenbahn von Wernigerode aus auf dem Harzgipfel an. Das Gebiet um den Brocken ist insbesondere bei Wanderern beliebt. Der Goetheweg ist ein bekannter, zur Brockenspitze führender Wanderweg. Benannt ist er nach Johann Wolfgang von Goethe, der im Jahr 1777 ungefähr diesen Weg einschlug. Viele Wanderwege führen in die benachbarten Orte Schierke, Braunlage und Sankt Andreasberg. Vom Brocken aus führt der 100 km lange Harzer Hexenstieg Richtung Osten nach Thale sowie Richtung Westen über Torfhaus und Altenau nach Osterode. Der "Bad Harzburger Teufelsstieg" führt vom Brocken nach Bad Harzburg. Auch Mountainbiker nutzen die Wanderwege.

Der Brocken ist auch aus sportlicher Sicht ein Berg der Extreme. Zwei bekannte Laufveranstaltungen führen auf den Brocken: der Ilsenburger Brockenlauf (Anfang September, 26 Kilometer, davon 12 Kilometer Steigung, ausgetragen seit den 1920er-Jahren) und der Brocken-Marathon im Rahmen des Harz-Gebirgslaufes mit Start und Ziel südlich Wernigerode. Beide Läufe führen aus dem Tal auf den Brocken und wieder zurück.

Der Berg und seine Umgebung befinden sich im Nationalpark Harz, dessen Nationalparkhüter auf die Einhaltung des Umweltschutzes achten, so dass de empfindlichen Kernzonen seiner wildromantischen Natur für die Nachwelt erhalten bleiben.

Vom Brocken kann man bei guten Sichtbedingungen bis zum Großen Inselsberg in Thüringen, zum Köterberg im Weserbergland und zum Petersberg nördlich von Halle an der Saale schauen.

(Foto oben: Rechte: Stadtverwaltung Wernigerode, Fotograf: Matthias Bein)

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