Auftakt zur Entwicklung einer Gesamtstrategie für Wernigerode: Visionen für 2030

Gesamtstrategie für Wernigerode
Gut gefüllt war der Festsaal des Rathauses am vergangenen Mittwoch, als die Stadtverwaltung zum Auftakt der Entwicklung einer Gesamtstrategie für Wernigerode eingeladen hatte. Die Teilnehmer der Veranstaltungen entwickelten erste Visionen für Wernigerode im Jahr 2030. Ein wichtiges Anliegen ist den Bürgern beispielsweise die Förderung des Rad- und Fußverkehrs sowie des ÖPNV, auch länderübergreifend, die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien und eine Reduzierung des Flächenverbrauchs.

Im sozialen Bereich wurde mehrfach die Förderung von Mehrgenerationenwohnen genannt, aber auch die Bildung für Nachhaltige Entwicklung, vor allem in Hinblick auf Ernährung. Eine Idee war die Auslobung eines Nachhaltigkeitspreises beispielsweise für Unternehmen. Aber auch die bevorzugte Nutzung regionaler Produkte in der Beschaffung sowie die Auftragsvergabe an regionale Unternehmen werden von den Teilnehmern für wichtig erachtet.

Diese Visionen bilden neben bestehenden Konzepten und Strategien die Grundlage für eine Leitbild- und Gesamtstrategieentwicklung. Diese soll im nächsten Jahr zusammen mit Politik und Zivilgesellschaft erarbeitet und im Anschluss umgesetzt werden. "Ich freue mich sehr, dass Sie in so großer Zahl erschienen sind, um mit uns gemeinsam die Weichen für die Zukunft unserer Stadt stellen zu wollen", begrüßte Oberbürgermeister Gaffert die Teilnehmer.

Eine nachhaltige Entwicklung konkret und partizipativ, also unter Mitwirkung möglichst vieler Akteure zu gestalten, sei nicht immer einfach. Schließlich trifft man immer wieder auf Zielkonflikte, wenn man eine ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung voranbringen will. "Wir laden Sie ein, diese mitunter schwierigen Diskussionen mit uns zu führen", so das Stadtoberhaupt. Sowohl mit den im September verabschiedeten Globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen als auch im kürzlich verabschiedeten Klimaschutzvertrag in Paris sind die Kommunen explizit aufgerufen, sich noch intensiver in die Bemühungen um eine lebenswerte Zukunft mit einzubringen.

Als Gastredner gab Prof. Harald Heinrichs vom Institut für Nachhaltigkeitssteuerung der Leuphana Universität Lüneburg einen Überblick über die Trends und Erfolgsfaktoren nachhaltiger Entwicklung in Kommunen. Sein Fazit ist, dass nach 20 Jahren zwar vor allem von Seiten der Zivilgesellschaft viele Projekte und Initiativen vorangebracht wurden, diese aber insgesamt zu unkonkret, zu unsystematisch und unzureichend in der Entscheidungs- und Handlungsrelevanz der Städte und Gemeinden mit eingebunden sind. Er lobte die Stadt Wernigerode für ihre Zielstrebigkeit, dieses übergreifende Thema in die Gesamtsteuerung mit einbinden zu wollen.
"Wernigerode ist eine Stadt mit einer hohen Lebensqualität.

Wir befinden uns jedoch in einer Zeit der Transformation und des Wandels und stehen vor vielen großen Herausforderungen", so Katrin Anders, die im Büro des Oberbürgermeisters für die Nachhaltigkeitssteuerung zuständig ist.

Als Beispiele nannte sie Klimawandel, Integration von Flüchtlingen, Demografischer Wandel, dauerhafte Finanzierung, Digitalisierung. Wernigerode verfügt über eine Vielzahl an Initiativen, Projekten und Strategien.

Diese sollen nun gemeinsam mit Politik und Zivilgesellschaft zusammengefasst und strategisch weiterentwickelt werden. Als Partner für das Projekt konnte die Stadt die Bertelsmann Stiftung gewinnen. Gemeinsam mit Katrin Anders stellte Projektmanager Henrik Riedel, der bei der Stiftung Experte für Nachhaltigkeitsstrategien ist, das Vorgehen zur Entwicklung der Gesamtstrategie vor. So sollen im Frühjahr eine Verwaltungs- und Stadtratskonferenz durchgeführt werden. Im Anschluss finden Befragungen mit Stakeholdern und Bürgern statt.

Der so entstehende Leitbildentwurf wird dann in einer großen öffentlichen Zukunftskonferenz mit allen Akteuren zu strategischen Zielen weiterentwickelt. Hieraus entstehen konkrete Handlungsfelder mit Maßnahmen und Arbeitsgruppen aus Politik, Verwaltung und Bürgern. Die Gesamtstrategie wird dann zum Beschluss in den Stadtrat gegeben.

Im Jahr 2017 werden in Arbeitsgruppen diese Ziele operationalisiert, Indikatoren und Kennzahlen entwickelt, Maßnahmen und Budgets zugewiesen und in die strategische Haushaltssteuerung und das Berichtswesen integriert.



BU: Die Teilnehmer entwickelten Visionen für Wernigerode 2030

Bild © Pressestelle (mz)

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